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Geldkrisen, Geldklemmen, besonders schwierige Zeiten für den Geldmarkt habenwir noch nicht durchgemacht; wir können also nicht sagen, daß wir uns bereitsmit aller Sicherheit auf dem offenen Meere, das mit soviel Gefahren bedrohtist, uns bewegt haben, Nmsomehr ist es angezeigt, nachdem ich mir lange indiesen Dingen Schweigen auferlegt hatte, obgleich ich vielfach herausgefordertworden war, darüber zu sprechen iu der jetzigen Zeit, wo diejenigen, die sichüber die Manipulationen der Reichsbank beschweren, mir nicht mehr ganz ohneGrund dies zu thun scheinen, nmsomehr glaube ich, war es wohl angebracht,heute eine Besprechung dieser Sache herbeizuführen.
Kommifsarius des BundeSraths Präsident der Reichsbank Wirklicher Ge-heimer Rath von Dechcno: Meine Herren, es wird mir schwer, Ihre kostbareZeit über diesen Gegenstand noch weiter in Anspruch zu uehmen; aber einigeBemerkungen des Herrn Vorredners kann ich doch nicht ohne Erwiderung lassen.Die Bankverwaltung hat sich, wie ich versichern kann, bei ihren Maßnahmenzn keiner Zeit und bei keiner Gelegenheit durch den Wnnsch bestimmen lassen,möglichst hohe Dividenden zu geben. Ich kann versichern, das; wir in der Be-ziehung gerade so urtheilen und handeln, wie der Abgeordnete vr. Bambergcres verlangt. Aber, meine Herren, als völlig gleichgültig kann ich es doch nichtbetrachten, ob die Fonds der Bank beschäftigt werden oder steril in ihren Ge-wölben liegen bleiben. Setzen Sie einmal den gar nicht unmöglichen Fall, daßunsere Anlage in Wechseln und Lombardgeschäftcn noch weiter um die Hälfte ab-nähme und die Notenreserve bis auf 300 Millionen stiege, würden Sie auchdann noch wünschen, daß wir nns darum für diese Gelder wenigstens theilweiseeine bankmäßige, wenn auch weniger lukrative Anlage zu finden, nicht bemühen,sondern das Geld liegeu lassen sollen, bis vielleicht nach 10 oder 20 Jahrenein Krieg auSbricht, wo wir es brauchen werden. Dazu, glaube ich, sind dieBankfonds nicht bestimmt, sondern andere Fonds, für die Sie ja auch gesorgthaben. Nach meiner Auffassung soll die Reichsbank Geschäfte zwar nicht auf-suchen, aber ebenso wenig die sich ihr darbietende Gelegenheit, ihre müßigenFonds sicher und bankmäßig anzulegen, unbenutzt lassen. Ist das aber richtig,so vermag ich nicht abzusehen, warum die Bankverwaltnng es ruhig über sichergehen lassen soll, wenn ausländische Banken und Bankiers die besten Wechselin großen Summeu fort und fort bei uns aufkaufen lassen, während die Fondsder Reichsbank fortdauernd wachsen und der Gewinn mit jedem Jahre kleinerwird. Der Herr Abgeordnete Bambcrger meinte, die Kapitalien, welche vomAuslande in dieser Weise bei nns angelegt werden, kämen uns sehr zu Statten.Ich will dies im Allgemeinen nicht bestreiten. Aber ob es ein Segeu ist, wenndie fremden Banken und Bankiers in Zeiten des allgemeinen Geldüberflusses,wie wir sie jetzt haben, ihre überflüssigen Gelder bei uns in Wechseln anlegen,die sie in jedem Augenblick zu uns zurückschicken und sich dafür Gold kommenlassen könuen, scheiut mir doch mehr als zweifelhaft. Nach meiner Auffassungsind für uns iu solchen Zeiten fremde Kapitalien nur dann von Werth, wennsie bei uus fest augelegt werden, aber nicht, wenu sie uns nur vorübergehendzugcfchickt werden in einer Zeit, wo wir nicht wissen, was wir mit unsereneigenen Kapitalien anfangen sollen.
Der Herr Vorredner hat sodann darauf hingewiesen, daß das Agio,welches die Reichsbankantheilseigner für die Bankantheile haben zahlen müsfen,außerordentlich niedrig bemessen sei.
Ob dies so unbedingt richtig ist, wird wahrscheinlich schon die nächste Zeitergeben. Zwar ist die Dividende für das verflossene Jahr noch nicht festgestellt,es läßt sich aber schon jetzt übersehen, daß sie nichts weniger als glänzend aus-