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Die Reichstags-Verhandlungen über Münzreform und Bankwesen : (24. u. 25. Febr. 1880) / hrsg. und eingel. von Ludwig Bamberger
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Großen und Ganzen, wie sie in Preußen im Herbst eingeschlagen worden ist,allein manche Nebenumstände, die dabei mitgespielt haben, die Art nnd Weise,wie einzelnes durchgeführt ist, hat meinen Beifall nicht, auch das nicht, daß dieReichsbank sich dazu hergegeben hat, Propaganda dafür zu machen, daß unterihrer Firma Leute aufgefordert werden, für die Verstaatlichung einzutreten.

Nun komme ich zu dem letzten Punkt, der auch von Herrn Bambergerschon berührt worden ist, zu der Veränderung im Geschäftsbetrieb, welche derAusschuß der Neichsbank am 23. Januar d. I. gut geheißen hat. Diese Ver-änderungen scheinen mir theilweise gerechtfertigt, theilweisc nicht gerechtfertigt,allein, was mir am ungerechtfertigsten erscheint, das ist der Augenblick, inwelchem sie getroffen worden ist. Meine Herren, wir haben eine Krisisvon 5 bis 6 Jahren hinter uns; warnm hat man nicht während dieser Krisis,in der manchmal das Geld sehr schwer zu haben war, solche Erleichterungeneingeführt^ Gerade in einer Zeit, wo das Geld ungewöhnlich flüssig ist, inwelcher wir uns in einer sehr aufgeregten Börsenspekulation befinden, hat mansolche Erleichterungen eingeführt; das ist, was ich der Bankverwaltung eigent-lich am meisten zum Vorwurf mache. Ich habe also weniger diese Verände-rungen selbst, als den Moment, in welchem sie erlassen wurden, im Auge.

Diese Veränderungen sind dreierlei Art; sie betreffen zuerst die Erleichterungder Lombarddarlehen und zwar ist dieses die am wenigsten anfechtbare. Für dieErmäßigung des Zinsfußes sind auch Gegenleistungen zu gewähren, indem dieseDarlehen nur auf eine gewisse feste Zeit gegeben werden. Diese Einrichtunghätte man unbeanstandet treffen können. Ich, der ich gewiß die Operation derBank, wo ich sie für gerechtfertigt und im Interesse des Reiches gefunden habe,niemals bekämpft habe was der Herr Bankpräsidcnt mir wohl einräumenwird, würde diese Sache nicht weiter berührt haben, wenn nicht auchdie Zeit, in der das geschehen ist, etwas auffälliges hätte.

Die zweite Maßregel ist, daß Wechsel, von Bankier auf Bankier gezogen,jetzt diskontirt werden, die früher nicht genommen worden sind und die dritte,daß an Börsenplätzen unter dem Reichsbanksatze diskontirt wird. Meine Herren,über die letztere Frage hat der Bundesrath sich ausgesprochen; nach meiner Ansichtist es zweifelhaft ob die Bank durch das Gesetz berechtigt ist, unter dem Bank-satz Wechsel zu kaufen; aber der Bundesrath hat das als zulässig erklärt, undich betrachte die Sache damit für prinzipiell erledigt. Es kommt aber sehr vieldarauf an, wie eine derartige Mahregel durchgelührt wird. Als diese Maßregelerlassen wurde, habe ich mir gedacht, daß die Bankdirektion mit großer Vorsichtvorgehen und daß sie namentlich in der Zeit, wo der Diskont unter einen ge-wissen Minimalsatz heruntergeht, nicht daran denken wird, ihr Geld in Privat-diskonten anzulegen. Nun aber wird die Sache in einer Weise ausgeführt, die,ich möchte fast sagen, zn gewaltsamen Aenderungen an unserem Geldmarktführen muß. Ich habe in diesen Tagen gelesen, und ich glaube, es wird that-sächlich nicht bestritten werden können, daß jetzt von Seiten der Reichsbank aneinzelnen Orten Diskont bis Prozent genommen wird, während sogar inLondon und Paris das Geld um 1 Prozent höher steht, nur um die Konkurrenzaus dem Felde zn schlagen und möglichst alle verfügbaren Wechsel an sich zuziehen. Meiue Herren, überlegen Sie sich, was das heißt. Wer auch nicht mitdiesen Verhältnissen vertraut ist, muß dies leicht übersehen können. Das geschiehtnur an großen Börsenplätzen. Der Bankier, der zur Bank geht, bekommt seinenWechsel zu bis 2 Prozent diskontirt, aber da, wo die Industrie ihre Sitzehat, müssen die Wechselinhaber 4 Prozent hezahlen; wenn die Bank, was dochleicht möglich ist, ihren Diskont erhöhen muß, würde ihr Portefeuille voll seinmit Wechseln, die zu 1V2^-2 Prozent diskontirt sind, während die nen Hinzu-