habe mich bei den verschiedensten Anstalten er-kundigt, das Verfahren ist überalldas gleiche. So ist es vorgekommen, daß bei einer Bank wochenlang keineNoten einkassirt wurden. Darauf hat die betreffende Bank bei der Reichsbankeinen Theil ihres Guthabens einkassirt nnd darum gebeten, den Betrag in ihreneigenen Note» auszuzahlen. Es wurde erklärt, man habe keine Noten der be-treffenden Bank; am solgendcn Tage aber hat man plötzlich den dreifachen Be-trag an Noten seitens der Reichsbank präsentirt. (Hört, hört!)
Ich könnte, wenn ich ans weitere Einzelheiten eingehen wollte, Ihnen eineganze Reihe von solchen Beispielen anführen, ich habe das Material dazu inHänden. Ich habe davon den Eindruck bekommen, daß eine gewisse Absichtdabei uicht zu verkennen ist; man will den nawrgemäßen Geschäftsverkehr dieserPrivatbanken, der ja an und für sich nicht sehr ausgedehnt ist, noch mehr ein-engen uud diesen Anstalten so früh wie möglich das Lebenslicht ausblaseu.Das scheint mir aber keine loyale Ausführung des Bankgesetzes zu sein. MeineHerren, ich bedauere das und möchte den Herrn Bankpräsidenten bitten, über diebezüglichen Anordnungen Auskunft zu ertheilen.
Der dritte Punkt, den ich hier erwähnen wollte, betrifft ein Vorkommnis;,welches im November v, I. sich zugetragen hat, und welches auch iu der Presseund sonst vielfach erörtert worden ist. Sie wissen, daß nach unserem Bankgcsetzdie Reichsbank verpflichtet ist, Gold zum Preis von 1392 Mark jederzeit anzu-kaufen. Plötzlich verlautete am 15. November, und zwar nicht von eineroffiziellen oder offiziösen Stelle, sondern von Paris aus durch ein dortige?Blatt, daß die Reichsbank diesen Ankaufspreis von Gold erhöht habe, und zwarauf 1393 Mark für einen Betrag von V2 Million, auf 1393^ Mark für einenBetrag von wenigstens 2 Millionen Mark. Die Bank hat ja das Recht, diesenPreis zn erhöhen; allein erstens hat es im höchsten Grade unangenehm berührt,daß man eine so wichtige Maßregel vom Auslande zuerst erfahren mußte;zweitens hat eö unangeuchm berührt, daß darin eine offenbare Begünstigungdes großen Kapitals einiger großer Bankhäuser liegt, da es den kleineren Häusernwohl uicht leicht möglich ist, ^/z Million auf einmal zur Bank zn bringen. DieSache war eine Zeit lang in Kraft, sie ist niemals iu Abrede gestellt worden,uud nachher hat die Preiserhöhung plötzlich wieder aufgehört. Ich erblicke indieser Maßregel erstens einen Nachtheil für den gesammten deutschen Handels-stand, der nicht rechtzeitig von der Sache benachrichtigt wnrde, nnd zweitenseine spezielle Bevorzugung gewisser Bankhäuser, die hiureichcud große Mittelhaben, um solche Summen Goldes einzuliefern.
Nun will ich im Zufammenhange eine Angelegenheit berühren, die bereitsim preußischen Abgcordnetenhause zur Sprache gekommen ist. Es betrifft dieBetheiligung der Bank an der Aktienanmeldnng sür die Verstaatlichung derBerlin -Potsdamer Bahn. Viele der Herren, die gleichzeitig Mitglieder des Ab-geordnetenhauses sind, werden diese Angelegenheit bereits kennen, und ich will siedaher nnr ganz kurz erwähnen. Die Reichsbank hat das Recht, fremde Pa-piere aufzubewahren und zu verwalten. Es ist nun den Besitzern von Berlin-Potsdam-Magdeburger Eiscnbahnaktien, welche dieselben bei der Reichebank dc-pouirt hatten, ein Zirkulär der Berliner Handelsgesellschaft (nicht, wie eö ineinigen Blättern geheißen hat, der Deutschen Handelsgesellschaft) zugegangen, inwelchem sie aufgefordert wurden, ihre Aktien anznmcldeu, damit sie zu dem Ver-staatlichungSbeschlnß beitragen. Dieses Zirkular war mit dem Siegel der ReichS-bank verschen und mnßtc natürlich die Besitzer veranlassen, zn glauben, daß dieRcichsbank dabei mitwirke. Das scheint mir doch nicht die Aufgabe der Reichs-bauk zu sein, daß sie die Fonds, die ihr anvertraut sind, zu solchen Dingen be-nutzt. Sie wissen, meine Herren, ich bin kein Gegner der Eisenbahnpolitik im