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tretenden 5—6 Prozent zu bezahlen haben würden. Meine Herren, eine Privat-bank kann vielleicht in dieser Weise operiren, aber ein öffentliches Bankinstitut,welches unter der Kontrole des Reiches steht, welches die verschiedenstenInteressen zu wahren hat, darf das nicht. Da scheint mir die Bankverwaltungzu weit zu gehen.
Der Herr Präsident hat sich vorhin darauf berufen, daß eine zu großeReserve vorhanden sei und daß man nicht wisse, wie man das Geld anlegensolle. Das kann ich nicht finden, namentlich nicht, wenn ich die Reserve mitderjenigen vergleiche, welche im vorigen Jahre zu derselben Zeit vorhanden war..So war am 15. Februar 1879 der Baarvorrath höher als die Noten-Emission.Er überstieg dieselbe um 10 Millionen. Die Notenreserve betrug 282 Millionen,und am 15. Februar 1880 war diese Reserve um 82 Millionen niedriger alsvoriges Jahr. Ich kann auch absolut nicht finden, daß die Deckung unsererBanknoten eine zn hohe ist; man vergißt bei Berechnung dieser Deckung immer,die großen Summen von jeden Tag kündbaren Geldern einzubeziehen, welche derReichsbank anvertraut sind. Wenn Sie diese mit in Betracht ziehen, so hatdie Deckung nach dem letzten Ausweis 68 Prozent betragen, während sie imvorigen Jahre um dieselbe Zeit 72 Prozent betrug; also auch hier ist ein Rück-gang wahrzunehmen. Denken Sie sich nun, daß diese Deckung, wie schon er-wähnt ist, nicht vollständig aus Gold besteht, sondern vielleicht zum größerenTheil aus Silber, so werden Sie mir zugeben, daß sich die Bank dazu nichtherbeilassen sollte, den Diskont auf einem so abnormen niedrigen Stand zu er-halten. Wenn nun gesagt wird, ausländische Banken nehmen die Wechsel auf,wenn wir sie nicht kaufen, so kann ich darin gar keinen Nachtheil, sondern nureinen Vortheil erblicken. Wenn ausländische Banken ihr Geld zu 2 oder wenigerProzenten Deutschland anvertrauen, so ist das ein Vortheil für unsere Industrie,für unseren Handel, ein Vorurthcil, den wir in erster Linie der Einführung derGoldwährung verdanken. Früher würde man das nicht gethan haben, weil wirkeine gesicherte Währung hatten. Wir wollen uns also darüber gar nicht be-klagen. Nun muß ich noch einige Worte darüber sagen, welche Wirkung dieseMaßregeln hervorbringen. Die Abänderungen der Reglements sind am23. Januar beschlossen worden. Zn dieser Zeit waren die Kurse der Staats-papiere und Aktien schon sehr hoch gestiegen; aber gerade diese Maßregeln, dienach meiner festen Ueberzeugung nur die Wirkung haben konnten — ich sagenicht, daß sie in dieser Absicht erlassen worden sind — die Börsenspekulation zuunterstützen, haben neues Oel in's Feuer gegossen. Wenn Sie die Notirungenvom 23. Januar und vom 23. Februar vergleichen, so werden Sie finden, daßdie Spekulation noch einmal nnd zwar in wildester Weise vorgegangen ist. Ichhabe hier ein Schreiben von einen? süddeutschen Kansmann vor mir, der keinBankier ist, bei dem ich mich erkundigt habe und der sich in seiner Heimat überdie Frage informirt hat; derselbe schreibt mir:
Täglich kann man die Beobachtung machen, daß Kaufleute ihrenKredit beim Bankier benutzen, um auf ihn zu trassiren, die Tratten zu1^/2 Prozent Zinsfuß bei der Reichsbank zu diskontiren und alsdannhochverzinsliche oder alcatorische Werthe dafür zn kaufen. Der solideGeschäftsmann wird durch einen derartigen ganz abnorm niedrigenZinsfuß von feiner rnhigen Bahn abgelenkt und in den Sturz des ge-fährlichsten Schwindels gerissen.Meine Herren, wir haben schon einmal eine Zeit gehabt, wo durch ein Zu-sammenwirkcn verschiedener Maßregeln eine solche Ueberstürzung herbeigeführtist; es war das im Jahre 1872, als gleichzeitig großartige Kündigungen vonStaatsanleihen vorgenommen wurden, starke Ausmünzung von neuem Gelde