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stattfanden, während das alte noch im Verkehr blieb, nnd eine Reihe von ähn-lichen Maßregeln hinzutraten. Die fatale Wirkung, welche ein Zusammenflußderartiger Dinge auf den Geldmarkt ausgeübt hat, die Krisis, die daraus gefolgtist, müßte uns doppelt vorsichtig machen. Deshalb beklage ich es sehr, daßgerade in der jetzigen Zeit die Bankvcrwaltnug nicht nur derartige Maßregelnergriffen hat, sondern dieselben auch noch in einer solchen weitgehenden Weiseausführt.
Es. ist überhaupt ein merkwürdiger Eindruck, den der ruhige Be-obachter von diesen Zuständen bekommt. Man hott so oft hier imReichstage sowohl als vom Regicrungstische herab gegen die Börse eifern.Die Maßregeln aber, welche einerseits durch gewisse Kammcrmehrheiten,andererseits aber auch von den Regierungen ergriffen werden, macheu den Ein-druck, als wären sie gerade speziell zu Gunsten der Börse ersonnen. Ich habez. B. die Beobachtung gemacht, daß der überaus größte Theil der Vortheile dernenen Zollpolitik nur der Börse, dem Großkapital ersten Ranges und der Spe-kulation zu gute kommen. Das haben sich die Herren, welche die neuen Zöllegeschaffen haben, vielleicht nicht klar gemacht, allein wer irgendwie unbefangendie Dinge ansieht, muß zu dem Resultat gelaugt sein, daß dies der Fall ist.Ebenso siud die Vortheile der ueuen Eisenbahnpolitik durch die Art, wie dieVerstaatlichung ausgeführt ist, wieder größtcnthcilS der Börse zu gut gekommen;in letzter Linie kommt nnn auch noch die Bank mit Maßregeln, die vielleichtsehr gut gemeint sein mögen, die aber jedenfalls nicht so ausgesührt wordensiud, wie sie im Interesse einer soliden Bankpolitik hätten ausgeführt werdenfollcn. Hier müßte man daS alte Wort umkehren, die Regierung sagt demVolke nicht: handelt nach meinen Worten und nicht nach meinen Thaten;hier heißt es umgekehrt: handelt nach meinen Thaten, aber kümmert cnchnicht um meine Worte. So fasse ich die Stellung der Regierungen zurBörse auf.
Ich möchte bittcu, daß uns die Fragen, die rch mir an den verehrten Prä-sidenten ccl' Bankverwaltung zu richten erlaubte, eingehend nnd in befriedigenderWeise beantwortet werden. Ich hoffe, daß der Geist, der die Bankverwaltung,was ich gerne anerkennen will, in den Jahren von der Gründung der Reichs-bank an bis zum vorigen Jahre durchweht hat, auch ferner ihr leitenderbleibe.
Kommissarius des BnndeSraths Präsident der Reichsbank Wirklicher GeheimerRath von Techend: Ich verspreche zunächst, daß der letzte Wnnsch des HerrnVorredners, soweit cS in meinen Kräften steht, erfüllt werden soll. Von denGegenständen, die der Herr Vorredner znr Sprache gebracht hat, ist einer, wieSie gleich sehen werden, von ganz untergeordneter Bedeutung. Ich werde aberdoch nicht nmhin können, ihn eingehend zn besprechen, weil er durch die Debatten,welche sich an den Gegenstand in dein Hanse der Abgeordneten geknüpft haben,eine gewisse Bedeutung erhalten hat nnd anch der Herr Vorredner der Reichs-bank den Vorwurf gemacht hat, daß sie den Staat bei der Verstaatlichung derEisenbahnen in unzulässiger Weise unterstützt habe. Meine Herren, ich werdeIhnen den Thatbestand; wie er aktenmäßig feststeht, vortragen. Sie werden dannselbst beurtheilen können, ob die Bankvcrwaltnng diesen Vorwurf verdient. In-dessen kann ich nicht umhin, gleich von vornherein mein Bedauern darüberanszusprechcn, daß diese ganz unbedeutende Sache, nachdem sie schon in dempreußischen Abgeordnetenhaus zweimal ausführlich besprochen ist, hier noch einmalznr Sprache gebracht wird.
Es besteht, wie der hohen Versammlung bekannt ist, hier bei der Reichs-
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