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ist, wenn wir eine solche Maßregel generalisiren. Der Zweck läßt sich nur er-reichen, wenn die Besugniß nur wenigen Hänsern ertheilt wird, da sonst durchdie allgemeine Konkurrenz die fremden Wechselkurse sehr bald wieder bis an dieäußerste Greuze in die Höhe getrieben werden. Der Herr Vorredner tadelteferner, daß wir bei der Präsentation der Privatbanknoten nicht immer nachdemselben Prinzip verführen, souderu dieselben bald in kürzeren, bald in längerenZeiträumen zur Einlösung präsentirt hätten. Ich kann darauf nur erwidern,daß wir bis zum vorigen Jahre in der That die Noten täglich zur Einlösunghaben präsentiren lassen, daß wir davon aber abgegangen sind, weil mit dertäglichen Versendung der Noten von den vielen Bankanstalten in den Emissions-fällcn enorme Kosten und Umstände verknüpft sind, welche die Reichsbank zn übernehmen keine Verpflichtung nud keiue Vcraulasfuug hat. Wir vrducteudeshalb an, daß die Noten nur in größeren Summen versandt nud zur Einlösungpräsentirt werden sollten. Diese Anordnung gab aber zn nenen BeschwerdenVeranlassuug. Mau klagte, daß bei der Präsentation nicht gleichmäßig ver-fahren würde, Beschwerden, deren auch der Herr Vorredner erwähnt hat, unddas gab mir Veranlassung zu der Anordnung, daß die Versendung der Notenfortan von hier ans verfügt und dabei jede übermäßige Anhänfnng der Notenvermieden werden folle.
Diesem Prinzip gemäß wird denn seitdem auch Versahren, und ich glaube,daß die Angelegenheit hierdurch am besten geregelt ist.
Meine Herren, ich komme nuu zu dem schlimmste» Punkte, zn den Ver-lusten, welche die Reichsbank in Dortmund und Bochum erlitten hat. Ich kanndas Faktum leider nicht in Abrede stellen. ES ist in der That im vorigeuJahre eine sehr große Zahl von Wechseln in dem Bezirk der genannten Anstaltenbei Verfall nicht bezahlt worden und es läßt sich uoch in keiner Weise übersehen,was daranf früher oder fpäter eingehen wird. In den meisten Fällen sind vonden Mitbeteiligten Akkordvorschläge gemacht wordcu, wir habeu sie aber meisten-theils verworfen — und wie die Sache sich zuletzt gestalten wird, kann ich nichtsagen. Nur daS darf ich nicht verschweigen, daß nach den Grundsätzen, welchedie Reichsbank von jeher festgehalten hat, alle Wechsel, die bei Verfall nichtpünktlich bezahlt werden, von dem Gewinn abzusetzen sind. Wir reserviren soviel von dem Gewinn des Vorjahres, als nicht inzwischen baar auf die Wechsel-schuld eiugegaugen, oder in unbedingt guten Werthen sicher gestellt ist. Diegedachten Zahlnngseinsteller werden daher auf die Dividende des vorigen Jahresund auf den Antheil des Reichs an dem Gewinn der Bank einen sehr wesent-lichen Einfluß ausüben. Wir halten aber dafür, daß wir an dem stets fest-gehaltenen Grundsatz, bei der Aufstellung der Bilanzirung mit der allergrößtenSkrupulosität zu Werke zu gehen, nicht etwas ändern dürfen, und darum wirdman sich darauf gefaßt zu macheu haben, daß der nächste Abschluß sehr wenigbesriedigen wird. Meine Herren, den letzten Beschwerdepuukt des Herrn Vor-redners glaube ich nicht noch besprechen zn sollen, da ich die Gründe, welchedie Bankverwaltnng bestimmt habeu, sciuste Wechsel auch unter Bantdiskontoanzukaufen, fchon ausführlich dargelegt habe und der Herr Interpellant selbsterklärt, daß er das ausnahmsweise Lombardiren zn einem niedrigeren als demallgemein festgesetzten Lombardzinssuß selbst nicht sür bedenklich hält.
Abgeordneter vr>. Windthorst: Ich will ans die allgemeinen verschiedenenBeschwerden nicht noch mal zurückkommen, ich will mir bemerken, daß ich mitder Erklärung, welche der Herr Baukpräsident gegeben hat, in Bezug auf dasEinwechseln der Noten der Privatbanken nicht vollkommen zur Klarheit gekommenbin. Die Sache hat sich genau so verhalten, wie der Kollege Sonnemann es
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