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Die Reichstags-Verhandlungen über Münzreform und Bankwesen : (24. u. 25. Febr. 1880) / hrsg. und eingel. von Ludwig Bamberger
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größeren Einfluß auf den Geldmarkt selbst ausüben, wenn sie dein Geldmarktfolgt. Damin, meine Herren, glaube ich, sollten wir auch nicht versuchen, vonhier aus einen Einfluß auszuüben, daß die Bank ihre Maßregeln ändert.

Abgeordneter Sonnenmilli: Meine Herren, ich will nicht noch einmal aufdie ganze Frage eingehen, sondern nur noch einige Punkte ganz kurz hervorheben.Was die Bemerkungen des Herrn Bankpräsidenten über die Festsetzung deS Gold-preises betrifft, so geschieht dieselbe in anderen Ländern ich will nnr Hollandanführen öffentlich und ist für Jedermann gleich. Das kann ebensogut beiuns geschehen, und ich wünsche und hoffe, daß das in der Folge auch geschehe.

Was die Dortmunder Angelegenheit betrifft, so hat der Herr Bankpräsidentmeine Fragen nicht beantwortet. Daß Verluste eristiren, habe ich schon gewnßt,danach habe ich auch weniger gefragt; ich habe gefragt, warum diese Verlusteerst jetzt, so lange nach Beendigung der Krisis, eingetreten sind, welche Umständedabei obgewaltet haben? Ich erwarte, daß wir bei der dritten Lesung noch eineErklärung darüber erhalten.

Was den Punkt der Baukuoten der Privatbanken betrifft, so meine ich,es wäre der einzig richtige Weg, daß der Austausch der Banknoten eincu Tagvor der Veröffentlichung der Bankansweise jedesmal erfolgen sollte. ES ist dasviermal im Monat, also fast jede Woche. Das ist der richtige Zeitpunkt.Dabei haben wir auch eiuen Vortheil für die Gesammtheit, denn dann werdenwir auch richtige Bankausweise bekommen. Jetzt bekommen Sie Bankausweise,wonach z. B. 27 Millionen Privatnotcn in den Händen der Reichsbank sind,dann einen anderen Ausweis mit 9 Millionen, ohne daß eigentlich in den Ver-hältnissen sich etwas wesentliches geändert hat. Der Unterschied ist, daß an demeinen Termin die Noten ausgetauscht sind, an dem anderen nicht. Der richtigeZeitpunkt ist jedesmal vor dem VeröffentlichnngStermin, uud ich möchte denHerren empfehlen, die Banknoten in dieser Weise umzutauschen.

Was den vierten Punkt betrifft, die Frage des Diskonts, so wäre ich ausdenselben nicht nochmals eingegangen, indem eS mir vorgekommen ist, als hättendie Bemerkungen, die von verschiedenen Seiten hier gemacht worden sind, ansden Herrn Bankpräsidenten einigen Eindruck gemacht, als dürften wir erwarten,daß in der bisherigen Weise nicht weiter gegangen wird. Indessen muß ich inFolge der Ausführungen des Herrn Abgeordneten Meier nochmals kurz daraufzurückkommen.

Es ist ein Irrthum, wenn der Herr Abgeordnete Meier angiebt, daß dieBank von England unter ihrem Diskontsatz diSkontü-t. Es heißt ausdrücklich:das Minimum des Diskontsatzes. Die Bank von England diSkontirt hoher,aber niemals niedriger. Ebenso die Bank von Frankreich nicht. Hier ist derHanptwerth daraus gelegt worden, daß die Sache so ausgeführt wird, daß biszu 2^/-, nnter dem offiziellen Banksätze diSkontirt wird. Wenn man sogarzugiebt, daß unter Umständen etwas unter dem Satz heruntergegangen werdendarf/ so scheint mir das, was geschieht, sich sehr weit von diesemEtwas" znentfernen. Ich möchte aber überhaupt bestreikn, daß eine ReichSbank, die soviele Obliegenheiten zn erfüllen hat, die namentlich die Verpflichtung hat, aufdie Aufrechterhaltung der Währung zn sehen, die Aufgabe habe, unter den Dis-kontosatz herunter zn gehen. Wenn sie den Diskontosatz zn hoch findet, so sollsie ihn für Jedermann heruntersetzen. (Sehr richtig!)

Abgeordneter vi'. WilldtlM'st: Meine Herren, es wnrde hier der Satz aus-gesprochen, wir sollen uns in diese Sachen nicht mischen. ES kann im einzelnenAalle nicht fraglich sein, ob die beregtcn Punkte zur Sprache gebracht werde»