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genügend erwidert hat. Ich glaube, es ist aber nicht ganz überflüssig, wennanch von beteiligter Seite, unmittelbar ans dem täglichen Verkehr heraus, indem ich in meiner Eigenschaft als Präsident der Bremer Bank lebe, wo ichtäglich alles sehe, Zengniß abgelegt wird, daß es doch wirklich so ist, wie derHerr Bankpräsident gesagt hat.
Die beiden Hanptbeschwerden, die die Banken gegen die Reichsbank ge-führt haben, sind erstens, daß eine Aenderung in der Präsentation der Noteneintrat, die bis vor ungefähr ^ oder ^Jahren immer täglich geschah. So-bald die Noten bei der betreffenden Filiale einkamen, wurden sie präsentirt.DieS hat der Bank sehr viel Porto gekostet, indem sie täglich diese Noten nachder betreffenden Stelle hinschickte; darum hat sie eS aufgegeben und kassirte dieNoten erst ein, nachdem sich eine gewisse Anzahl angesammelt hatte. Als dieseMaßregel stattfand, meinten alle Banken, es sei darauf augelegt, die anderenNotenbanken iu Verlegenheiten zu setzen (Sehr richtig! im Centrum), indemsie große Summen auf einmal präsentirten. Wir haben bei der Bremer Bankwenigstens von einhalb Dutzend Banken Briefe erhalten mit der Anfrage: wieist es bei euch? machts die Reichsbank ebenso? Wir haben erwidert: neiu,die Reichsbank kommt allerdings jetzt uicht tagtäglich, sie kommt durch-schnittlich alle acht Tage, je nachdem sie die Noten gesammelt hat, und präsen-tirt sie dann zur Einlösung.
Meines Trachtens ist das ganz in der Ordnung und eS ist wirklich nichtanzuuehmen, daß irgend eine Absicht vorläge, andere Banken in Verlegenheit znsetzen. Wir haben wenigstens als sehr Betheiligtc durchaus nicht diese Empfindunggehabt, als wenn uns da irgend ein Leids zugefügt werden sollte. Im Gegen-theil haben wir uns immer ein Vergnügen daraus gemacht, die Noten umzu-tauschen.
Der zweite Puukt, der von den Betheiligten auch sehr empfunden wird,nach meinem Dafürhalten aber mit Unrecht, ist, daß die Bank auf einmal an-gefangen hat, unter ihren: Diskont auch Wechsel zu nehmen. Es ist nachmeinem Dafürhalten ein falsches System, zn sagen, so viel sollte Diskont sein,und wenn wir das nicht kriegen, so diskontireu wir nicht. Nach meinem Dafür-halten muß der Inhaber von Geldern, der Diskont nehmen will, sich nach dem Marktrichten. Ich weih, die französische Bank setzt den Diskont fest, unter den sienicht hcrabgeht. Die preußische Bank hat es früher auch gethan, sie ist nichtunter 4 Prozent heruntergegangen. Die Reichsbank ist schon mehr davon ab-gegangen, ich glaube aus 3^/» Prozent. Die englische Bank hat in früherenZeiten anch einen gewissen Diskontosatz festgesetzt und uuter dem nicbt diskontirt.Was ist die Folge gewesen? Sie bekam gar kein Accept, und das Geld wurdedem Verkehr entzogen. Sie hat den Irrthum dieser Maßregel eingesehen, siefolgt dem Geldmarkt uud nimmt auch zu niedrigerem Diskont, was der Geld-markt bietet, und ich halte dieses System anch für das allein richtige.
Nnn kann man sagen, ja, dann sollte die Bank ihren Diskont auch sonotiren, wie sie bereit ist Geld zn geben. Das hat aber seine Schwierigkeiten;jeden Augenblick kann eine große Nachfrage kommen, nnd da muß ein gutesBaükiustitut daraus vorbereitet sein, damit es nicht einmal in Verlegenheit kommt.Denn das ist die Hauptsache vou allem.
Ich kann also, so unbequem uns auch diese Maßregel ist — denn wirhaben immer unter dem Rcichsbankdiskont Wechsel nehmen müsse», und unsereBank diskontirt hauptsächlich, das ist ihr Hauptgeschäft — so uubcqucm es ihrist, daß die Rcichsbauk das gethau hat, so muß ich doch gerecht sein uud an-erkennen, daß die Bank nach meinem Dafürhalten ganz richtig gehandelt hat.Sie muß mit dem Markt höher gehen und wird insofern auch einen weit