Die Ordnung ihrer Finanzen wird auch nach Friedensschlußan alle kriegführenden Staaten - ja selbst an viele neutrale — un-geheure, nie dagewesene Anforderungen stellen. Von den ersterendürften ihnen nur die wirtschaftlich kräftigeren gewachsen sein.
Rußland hat bereits vor dem Kriege sein Mehr an Ausgabennur durch ständig sich steigernde Ausländsanleihen zu decken vermocht.Durch den Krieg haben sich seine Verhältnisse unsagbar verschlechtert.Der Rubel steht 40 °/o unter New-Yorker Parität. Die seit Monatengeplante Ausländsanleihe von 5'k Milliarden Rubel kann nicht zustandekommen; man behilft sich mit Zwangsanleihen bei der Reichsbank,deren Metallbestand die Verbindlichkeiten nicht mehr mit 20 % deckt,und mit französischen und englischen Vorschüssen. Die Zeichnungenauf die Inlandsanleihe bleiben trotz stärksten amtlichen Druckes minimal.Die Verluste an im Kriege Gefallenen werden auf 2 l h Millionengeschätzt. Wie viele an Krankheiten und Entbehrungen zugrundegegangen, wie viele durch Verstümmelung und sonst erwerbsunfähiggeworden sind, entzieht sich der Beurteilung. Jedenfalls handelt essich auch dabei um enorme Ziffern. Die dichtest bevölkerten, industrie-reichsten Gegenden sind verwüstet oder endgültig verloren. Eine derreichsten, größten und gewerbfleißigsten Städte wie Riga ist durcheigene Kopflosigkeit ruiniert. Die Verschuldung ans Ausland ist insUngemessene gestiegen. Welches Land wird aber nach dem Kriegenoch fähig sein, Rußland zu borgen! Es bleibt ihm also nur derStaatsbankerott übrig. Das bedeutet freilich den jahrzehntelangen Ver-zicht auf jede Ausländsanleihe und damit die Aussicht auf völlige wirt-schaftliche Stagnation. Nur bei weitester Einschränkung seiner Rüstungs-ausgaben wird Rußland nach Jahrzehnten in der Lage sein, sich einiger-maßen von dem furchtbaren Schlag dieses Krieges zu erholen.
Italien hatte unter Rückendeckung des Dreibundes durch eine klugeFinanzpolitik seine vorher im argen liegenden Finanzen allmählich ingünstige Lage gebracht. Schon das libysche Abenteuer hatte sie wiedererschüttert. Die Verteuerung seiner Einfuhr - besonders an Getreideund Kohlen — hatte schon vor seinem Eingreifen in den Krieg die