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Die Kriegslasten und ihre Deckung / Georg Gothein
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Dringend zu warnen ist vor einer Erhöhung der Stempel-abgaben auf Wertpapiere. Schon der jetzige Stempel hat vielfachdie Errichtung von Einlösungsstellen für Kupons und Dividenden-scheine ausländischer Wertpapiere in Deutschland verhindert und dendeutschen Besitz in Londoner Depots getrieben. Das hat nicht nur dieBesitzer, sondern weit mehr noch die deutsche Zahlungsbilanz währenddes Krieges aufs Empfindlichste geschädigt. Und der hohe Effekten-stempel in Frankreich hat an die Pariser Börse gerade jene minder-wertigen exotischen Papiere gebracht, die sich während des Krieges alsunveräußerlich erwiesen haben.

Gerade im Interesse der finanziellen Kriegsbereitschaft habenwir alle Ursache, von solch unglücklichen Experimenten Abstand zunehmen.

Trotzdem wir in Deutschland bereits recht hohe Zölle und in-direkte Steuern haben, wird uns der riesenhafte Finanzbedarf dochnoch zu ihrer stärkeren Heranziehung zwingen. Selbstverständlich darfdabei nicht an eine Mehrbelastung notwendiger Nahrungsmittel, sondernnur an die von Genußmitteln gedacht werden. Also von alkoho-lischen Getränken, Tabak, Kaffee, Tee und Gewürzen. Eswäre sogar sehr erwünscht, wenn diesen Erhöhungen eine Entlastungbei notwendigen Lebensmitteln gegenüberstünde. Jedenfalls wird manmit dem Einfuhrscheinsystem brechen müssen, schon um die Ge-fahr einer übermäßigen Getreide- und Mehlausfuhr vor Kriegsausbruchzu begegnen. Das würde eine mäßige Senkung des Roggenpreisesnach sich ziehen. Man wird sich indessen über die Mehrerträge, dieaus diesen Steuerqueilen fließen, keinen Illusionen hingeben dürfen.Der Kaffeezoll hat bisher rund 100 Milk M im Jahre gebracht, seineVerdoppelung würde, da ein starker Konsumrückgang zu befürchten wäre,jedenfalls kaum 80 Milk M mehr als bisher bringen. Tee, Kakao, Gewürzebrachten nur 21 Milk M. Tabakblätter und Tabakerzeugnisse freilich131 Milk, wozu noch an Tabakwertsteuer und Zigarettensteuer 44 Milk Mhinzutraten; hier wird man zur Not 100120 Milk M mehr heraus-bringen können. Branntwein, Bier und Wein haben bisher rund400 Milk M der Reichskasse gebracht. Viele Hunderttausende vonMännern, die nun doch einmal die Hauptverbraucher dieser Genuß-mittel sind, kehren nicht mehr heim. Infolge dessen muß mit einemerheblichen Verbrauchsrückgang wenigstens bei den alkoholischenGetränken - gerechnet werden. Bei Tabak wird ein solcher wenigereintreten, da sich viele Nichtraucher oder schwache Raucher imKriege daran gewöhnt haben. Insgesamt wird aus den Genußmittelnkaum viel mehr als 500 600 Milk M Mehreinnahme herauszuschlagensein, wenn man nicht die Branntweinbesteuerung auf eine ganz andereBasis stellen will. Dann ließe sich wohl ein weiteres Mehr von 100 bis200 Milk M erzielen.