Man kann sicher sein, daß keiner der kriegführenden Staaten —selbst England nicht — um die Portoerhöhung herumkommt. SolcheRiesenlasten zu tragen, müssen eben ungewöhnliche, sehr unerwünschteSteuern übernommen werden.
Bei dieser Gelegenheit erweist sich übrigens die Beseitigungder bayerischen wie der württembergischen Post als dringendgeboten. Da beide Staaten für ihre Posten entsprechende Ausgleichungs-beträge an das Reich abführen müssen, haben sie kein nennenswertes finan-zielles Interesse an der Beibehaltung dieses Reservatrechts. Man kann ihnenauch ruhig ihre Sonderbriefmarke fortgewähren, bei Freizügigkeit allerBriefmarken im ganzen Reich. Man kann ihnen ferner die Verwendungder aus Bayern und Württemberg stammenden Beamten — besondersder Zivilversorgungsberechtigten - vorzugsweise in ihren Heimatländernsichern. Im übrigen aber ist es Zeit, die einheitliche Post- und Tele-graphenverwaltung für das ganze Reich durchzuführen.
Nicht minder wünschenswert wäre es, die einzelstaatlichen Eisen-bahnen durch ein einheitliches Reichseisenbahnwesen zu er-setzen. Nur gebe man sich nicht der Hoffnung hin, dadurch ohne weiteresMehreinnahmen für das Reich herauszuschlagen. Denn die Einzelstaatenwürden mit Recht eine angemessene Entschädigung fordern. Und einestarke Erhöhung der Eisenbahnfrachten begegnet den aller-größten Bedenken. Am wenigsten läßt sich eine Reichsverkehrs-steuer als prozentualer Zuschlag zu den Bahnfrachten erheben. Siewürde die ohnehin unter ungünstiger Verkehrslage leidenden Gegendensehr viel härter treffen als die günstig gelegenen. Damit würden dieProduktions- und Absatzbedingungen ganzer Industriegebiete aufs Gefähr-lichste verschoben werden. Es könnte dies manche Städte und Gegendengeradezu ruinieren. Auch könnte man dann nicht bei den Bahnfrachtenstehen bleiben, sondern müßte Zuschläge auch zu den Wasserfrachtenerheben, die aber je nach Wasserständen und vorhandenem Laderaumstark schwanken. Ist eine Frachterhöhung aus finanziellen Gründenabsolut nicht zu umgehen, so muß sie unter sorgfältiger Berücksichtigungaller Produktions-, Absatz- und Wettbewerbsverhältnisse mit größterVorsicht geschehen. Freilich würden Reichsbahnen eine größere Gewährausgleichender Gerechtigkeit dabei bieten als einzelstaatliche. Solangeirgendwie eine weitere Frachtenbesteuerung vermieden werden kann, mußsie vermieden werden. Selbst die Erhöhung des Stempels auf Personenfahr-karten sollte tunlichst unterlassen werden; sie belastet vorzugsweise denWarenhandel, der bereits durch die Portoerhöhung schwer betroffen wird.
Von sonstigen Verkehrssteuerri ist die Quittungssteuer zunennen, die bei der großen Finanznot kaum zu umgehen sein wird.Ob man sie wie den Scheckstempel einheitlich oder abgestuft gestaltet,ist ohne prinzipielle Bedeutung; im Interesse eines höheren Erträgnisseswäre das letztere vorzuziehen.