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Erfindergeist und die Fortbildung der Gewinnung von Stickstoff ausder Luft einwirken würde, ist eine nicht abzuweisende Sorge.
Einem Reichsmonopol für Feuer-, Unfall-, Renten- undLebensversicherung stehen ebenfalls manche Bedenken gegen-über. Bei der Feuerversicherung das der bureaukratisch unkulantenRegelung der Brandschäden; bei den anderen Versicherungsarten dieSchwierigkeit der Werbung von Versicherungsanträgen. Natürlich gingees auch nicht ohne eine ausreichende Entschädigung der bisherigenVersicherungsanstalten. Überhaupt würden alle Monopole die Ausgabegroßer Mengen von Reichsanleihen bedingen. Bei derMassenhaftigkeit, in der sie nach dem Krieg ohnehin vor-handen sein werden, könnte das leicht eine Überfüllung desEffektenmarktes mit Reichsanleihen nach sich ziehen, diederen Kurs nachteilig beeinflussen könnte. Dieser Gesichts-punkt spricht überhaupt stark gegen die Einführung allerMonopole, die große Entschädigungen verursachen. Für diekommende Regelung der Finanzen wird es eine der wichtigstenAufgaben sein, die Reichsschulden zu vermindern, nichtsie — selbst zu werbenden Zwecken — zu stark zu ver-mehren. Eine weise Finanzpolitik wird jedenfalls dahinwirken müssen, daß bis zum Tage der Rückzahlungs- bezw.Konvertierungsmöglichkeit der Anleihen der Parikurs er-reicht wird.
Ein weit eher gangbarer Weg ist der, vorhandene Monopole ertrag-reicher zu gestalten. Hier kommt wesentlich nur das Postmonopolin Betracht. 1913 betrug der Überschuß der Reichspost- undTelegraphenverwaltung wenig über 56 Mill. M bei allerdings30,16 Mill. M einmaligen und 34,05 Mill. M außerordentlichen Aus-gaben, von denen die letzteren ganz, die ersteren überwiegend alsVermögensvermehrung anzusprechen sind. Die Einnahmen dieser Ver-waltung beliefen sich 1913 auf 833,3 Mill. M. Eine starke Portoerhöhungwürde zwar einen gewissen Rückgang des Verkehrs zur Folge haben,andererseits aber, da mit einem solchen auch eine gewisse Ausgaben-minderung verbunden wäre, eine gewaltige Steigerung der Reineinnahmen.Der Verkehrsrückgang würde ganz besonders in Drucksachen eintreten,deren Versendung ohnehin der Post relativ große Ausgaben verursacht.
Man wird nicht verkennen dürfen, daß eine Portoerhöhung einean sich höchst unerwünschte Verkehrssteuer ist, die besonders den Handelstark belastet, seine Spesen erhöht. Zu anderer Zeit würde man sieenergisch bekämpfen, aber die Not der Zeit zwingt dazu, sich auch damitabzufinden. Mit einer durchschnittlichen Verdoppelung des Portosund der Telegraphengebühren wird sich eine Mehreinnahme von rund700 Mill. M für das Reich erzielen lassen. Und das würde eine Rein-einnahme sein, der keine Mehrausgaben gegenüber stünden.