Freilich sinken dabei die Roherträge; aber was nützen großeRoherträge, wenn sie nur mit Verlust erwirtschaftet werdenkönnen! Die volkswirtschaftlich recht bedenk-liche Kehrseite sind die Mindererträge, die uns zwingenmüßten, mehr Getreide, Kartoffeln, Vieh, Fleisch, tierische Er-zeugnisse einzuführen. Unsere ohnehin so stark passive Handels-bilanz würde damit weiter verschlechtert; ebenso die Kapital-bildung, also müßten die Zinssätze weiter steigen. Wie langeaber noch borgt uns das Ausland? Doch nur so lange, wie wirnoch ertragsfähige Pfandobjekte in eigenem Besitz haben. Dashohe Lohnniveau macht bei uns auch eine rationelle Obst-kultur unmöglich. Selbst der Kleinbetrieb kommt in der Zeitder Obsternte kaum ohne gegen Lohn beschäftigte Hilfskräfte aus.Die Löhne für Pflücken, Sortieren, Packen stellen sich aber inDeutschland so viel höher als in den wichtigsten Konkurrenz-ländern: Frankreich, Belgien, Tschechoslowakei, Italien , Oester-reich, daß bei uns auch in Qualitätsware dagegen kaum anzu-kommen ist. Schlecht sortiertes und verpacktes Obst ist aber schwerabzusehen und erzielt schlechte Preise. Aehnlich im Gemüse-bau: im Spargel, für dessen Anbau das deutsche Klima im all-gemeinen günstig ist, deckt in ungünstigen Iahren wie 1928 derCrnteerlös kaum die laufenden Lohnkosten. Eine vorteilhasteVerwertung von Obst und Gemüse hat bei uns zudem nahegünstige Absatzgelegenheit zur Voraussetzung. Selbst da sind diePreise meist gedrückt; hoch sind sie für Frühobst und Früh-gemüse, das aus klimatisch glücklicheren Ländern eingeführtwird.
Die Arbeitslosenunter st ützung hat sich beson-ders nachteilig für die deutsche Forstwirtschaft ausgewirkt. Dielandwirtschaftlichen Saisonarbeiter, aber auch solche, die alsHilfsarbeiter im Baugewerbe, im Straßenbau usw. tätig sind,suchten früher während des Winters als Holzfäller Arbeit. Jetztziehen sie, statt diese freilich nicht leichte Arbeit zu übernehmen,es vor, zu stempeln. Söhne und Töchter von Kleinbauernverdingen sich in der Erntezeit auf fremden Höfen gegen ver-
l,^