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Der große Irrtum der deutschen Lohnpolitik / von Georg Gothein
Entstehung
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noch von 170 auf 173 gestiegen. Die gewaltige Rationalisierungseit der Vorkriegszeit hat demnach von einigen Spezialitätenabgesehen zu keiner Preissenkung, sondern im Gegenteil zueiner gewaltigen Preissteigerung geführt. Selbst in den Ver-einigten Staaten ist die für große Teile der Arbeiterschaft un-zweifelhaft eingetretene Erhöhung ihrer Reallöhne durch einestarke Zunahme der Arbeitslosigkeit erkauft worden.

Jede Rationalisierung erfordert großeKapitalinvestitionen, führt in der Still-legung nicht mehr rentabel arbeitenderWerke (negative Rationalisierung) zu er-heblichen Kapitalverlusten. Die VereinigtenStaaten , die in Verfolg des Weltkrieges aus einemSchuldnerland das reichste Gläubigerland geworden sind,konnten diese Verluste ebenso wie die Kapitalinvestitionen un-endlich viel leichter auf sich nehmen, als das verarmte kapital-entblößte Deutschland , das dazu weitestgehend Auslandskreditein Anspruch nehmen mußte, die sich doppelt so teuer stellten alsfür den solche beanspruchenden Nordamerikaner. Das Beispielvon Ford und anderen zeigt zudem, daß sie diese Investitionenvielfach allein aus Gewinnüberschüssen finanzieren konnten, wasin Deutschland nirgends möglich war.

Wirtschaftslageund Lohnentwickelung in Großbritannien .

Auch Großbritannien war trotz seiner gewaltigenKriegsverluste dazu ganz anders in der Lage als Deutschland .Freilich, während Amerika bis zum Krieg mit seiner industriellenErzeugung fast ganz auf den Inlandsmarkt, ja in beträchtlichemMaß auf die Einfuhr von Fabrikaten angewiesen war, warEngland damals darin das erste Ausfuhrland der Welt. Währenddes Krieges hatten andere Länder eigene Industrien entwickelt, diesie nunmehr mit hohen Zöllen oder sonstigen ProtektionistischenMaßnahmen schützten. Anter dieser industriellen Entwicklunganderer Länder litt zunächst Englands Hauptausfuhrartikel

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