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Der große Irrtum der deutschen Lohnpolitik / von Georg Gothein
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höheren Lebensstandard als vor dem Kriege verschafft und einezu weitgehende Sozialpolitik finanziert, und in dem übertriebenenKonsum- und Komfortbedürfnis aller Klassen, das wegen derhohen Löhne die Cxportindustrien unfähig macht".

Von all dem hat sich Frankreich frei gehalten, daher seinwirtschaftlicher Aufschwung. Vis auf dieBegünstigung derRentner" hat das verarmte Deutschland sie aber alle in schwersterWeise begangen.

EntWickelung in Belgien .

Aehnlich liegt es inVelgien : Auch dort eine sogar nochetwas stärkere Produktionsentwicklung (Index13l) der Kohlenförderung (119 je Kopf), der Rohstahlgewin-nung (155), der Kunstseidenerzeugung (460), der Vaumwoll-spindeln (130), der Schiffstonnage (138,6). Nur in derMaschinenerzeugung liist der Index auf 69,5 je Kopf >in 1925zuückgegangen, ebenso bei Zucker auf 87,7. Während 1928 dieEinfuhr mit 4600 Mill. Goldfranken noch etwas unter dervon 1913 zurück blieb, war die Ausfuhr mit 4100 Goldfrankenum 13,1 v. H. höher. In der ersten Hälfte des Jahres 1928betrug der Großhandelsindex 120 bis 121. Die Löhne der unterTage beschäftigten Bergarbeiter waren 1927 mit 5,75 NM. jeSchicht gegen die Vorkriegszeit um 9, die der Uebertagearbeitermit 4,47 NM. um 22 v. H. höher als 1913. In den andernIndustrien dürste die Steigerung keinesfalls größer sein. 1928haben die Löhne gegen das Vorjahr keine nennenswerte Ver-änderung erfahren. Der Kleinhandels- bzw. der Lebenshaltungs-index dürfte ähnlich wie in Frankreich beträchtlich unter demGroßhandelsindex liegen. Brauchbare Zahlen lagen mir dar-über nicht vor. Die Arbeitslosigkeit war 1928 noch geringer alsim Vorjahr. Im September 1928 wurden nur 3464 völlig Ar-beitslose und 20 561 teilweise Arbeitslose (Kurzarbeiter) gezählt,das waren zusammen 3,9 v. H. der gegen Arbeitslosigkeit Ver-sicherten. Die wirtschaftliche Lage des Landes ist gesund, dieKapitalbildung im Wachsen.

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