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Der große Irrtum der deutschen Lohnpolitik / von Georg Gothein
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einigten Staaten angehören, das nicht nur den Absatz quoten-mäßig aufteilt, sondern auch die Preise sestlegt. Mit derBesserung des Weltmarkts haben sich auf ihm auch die Eisen-preise gehoben und werden zur Zeit nicht mehr ständig von denbilliger produzierenden Ländern: Belgien-Luxemburg und Frank-reich unterboten. Wie lange diese Konjunktur auf dem Welt-markt anhält, ist aber recht unsicher. Und da die Aufnahme-fähigkeit des inneren Marktes beträchtlich nachgelassen hat, sovermag die deutsche Eisenindustrie ihre Produktions-Kapazitätnicht entfernt auszunutzen. Vetriebseinschränkungen, Stillegungeinzelner Betriebsabteilungen und Feierschichten sind an derTagesordnung. Ganz besonders trifft dies die Cisenbahnmaterial Schienen, Schwellen, Weichen, Bandagen, Achsen, Radsätze,Puffer usw. herstellenden Werke bzw. Abteilungen, da dieReichsbahn ihre Austräge auf ein Minimum eingeschränkt hatund die Bahnen der englischen Dominien und Kronkolonien sogut wie ausschließlich englisches Material beziehen. Zu diesemden deutschen Cisenabsatz so stark einschränkendenadministrativenProtektionismus", dem auch andere Eisen erzeugende Staatenhuldigen, kommen noch die hohen Zölle des Auslandes einerseits,die deutsche Kapitalarmut andererseits hinzu, die uns nicht er-laubt, längere Kredite zu gewähren, und erst recht nicht, den Bauvon Eisenbahnen, Elektrizitätswerken usw. im Ausland zu finan-zieren. Trotz seiner durch hohe Zölle bewirkten hohen, diedeutschen um 35 v. H. übersteigenden Cisenpreise kann dasNordamerika infolge seines Kapitalreichtums in höchstem Maße.Wollen wir wettbewerbsfähig bleiben, so müssen wir das durchdie Qualität einerseits, durch Herabminderung unserer Produk-tionskosten andererseits erreichen. Der Rationalisierung stehtbei uns aber hemmend im Weg, daß wir selbst nur ganzungenügend Kapital bilden und für Leihkapital einen um 75 bis1W v. H. höheren Zinsfuß anlegen müssen als die Konkurrenz-länder. Solche Erwägungen stellen freilich bei ihren Lohn-forderungen bzw. Schlichtersprüchen weder die Gewerkschaftennoch der Reichsarbeitsminister an.

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