Druckschrift 
Der große Irrtum der deutschen Lohnpolitik / von Georg Gothein
Entstehung
Seite
54
Einzelbild herunterladen
 

Kalkulation über den Haufen. Cin Bauauftrag, der Gewinn zuversprechen schien, schließt darüber mit Millionenverlusten ab.Der vom Norddeutschen Lloyd der A. G. Weser in Austraggegebene SchnelldampferBremen " wird bei 41 Mill. MarkKontraktpreis für die Vaufirma mit einem Verlust von 4 bis6 Mill. M. abschließen. Nicht wesentlich anders wird es beider von Vlohm u. Voß gebautenEuropa " gehen. Der vieleMonate währende Werftstreik im Herbst 1928 hat die Verlusteder Werften riesig vergrößert, eine Reihe zur Strecke gebracht,andere, wie Schichau , Neptun, können bestenfalls mit Reichs-zuschüssen noch eine Zeitlang gehalten werden. Englische, hollän-dische, skandinavische Werften sind voll beschäftigt. Bei uns sindNeubauaufträge fast gar nicht hereinzubekommen. Erst recht kaummehr Auslandsaufträge. Sachlieferungs - Reparationsbautenmüssen zu so niedrigen Preisen übernommen werden, daß siekeinen Gewinn lassen. In England steht der Lohnindex der Werft-arbeiter auf 143; seit Iahren haben keine Lohnerhöhungen mehrstattgefunden. Der Reallohn bleibt dort hinter dem der Vor-kriegszeit weit zurück. Bei uns hat er ihn einschließlich der vomArbeitgeber zu tragenden Soziallasten bei weitem überschritten.Trotz höchster technischer Leistungen, trotz fortgeschrittener besterAusrüstung unserer Werften verlieren sie die Wettbewerbsfähig-keit gegenüber dem Ausland. Mutwillig ruiniert eine kurzsichtigeegoistische Gewerkschaftspolitik einen der stolzesten Zweigedeutschen Gewerbefleißes. Dabei würde das schnelle Altern derHandelsschiffe infolge des stark verminderten Kohlenverbrauchsder neuesten Konstruktionen*) den Werften reichliche Neubau-aufträge zuführen, müßte zu vermehrter Arbeitereinstellungführen. Die Gewerkschaftspolitik schafft statt dessen rapidwachsende Arbeitslosigkeit.

Vinnenschiffahrt.

Die Vinnenschiffahrt hat infolge der abnormenTrockenheit des Sommers und Herbstes 1928 und der viel-

*) Ein vor zehn Iahren gebauter 8000-9000 t Schwergutsdampferverbraucht je Tag 40 t Steinkohle, ein moderner nur 25 t. In wenigenIahren hofft man den Kohlenverbrauch auf 15 t herabzudrücken.

54