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Der große Irrtum der deutschen Lohnpolitik / von Georg Gothein
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hereinzubekommen. Bezüglich der englischen Kolonien gilt dasbezüglich des Cisenbahnmaterials S. 52 Gesagte. Nur Südafrikabezieht noch zum Teil deutsche Lokomotiven, wenn sie qualitativbesser und zugleich wesentlich billiger sind als englische. Dieganze deutsche Produktion ist auf zwei Konzerne mit vier be-triebenen Fabriken eingeschränkt, deren Ausnützung dadurch zwaretwas günstiger wird, die aber bei den relativ höheren Löhnenbestenfalls ohne Gewinn arbeiten.

Ein wenig besser liegt es mit der W a g g o n industrie,da die Reichsbahn unbedingt Neuanschaffungen von Personen-wagen, ebenso von SpezialWagen und Großgüterwagen fürMassentransport vornehmen muß; auch die Straßenbahnen einennicht unbedeutenden Bedarf haben. Die Ausfuhr hat fastganz aufgehört, 1928 hatte sie noch einen Wert von 2,9 Mill.Reichsmark gegen 30 Mill. NM. 1913. Die Ausfuhr vonLokomotiven ist gleichzeitig von 53 auf 21,35 Mill. NM. zurück-gegangen. Auch die deutsche Waggonindustrie arbeitet fortgesetztmit Verlust.

Automobilindustrie.

Nicht besser steht es mit der Au t o m o bi l i n d u str i e,selbst nachdem wir wieder dem Ausland gegenüber technischGleichwertiges leisten. Die Produktion ist allerdings in starkerZunahme. Wir produzierten Personenwagen 1926: 35 718,1927: 91 170 und 1928: 118 000. Lastwagen 1926: 8590,1927: 22 000 und 1928: 27 000. Großkrafträder 1926: 45 500,1927: 72 500 und 1928: 85 000. Kleinkrafträder 1926: 3390,1927: 11 710 und 1928: 55 000. Darin ist freilich auch dieErzeugung der ausländischen Montagewerke mit enthalten, die1928 auf 30 000 Autos geschätzt wird. Deren Einfuhr ist von11 600 in 1927 auf 18 000 gestiegen. Von dem 150 000 Autosbetragenden deutschen Iahreskonsum entfallen rund 48 000 aufausländisches Fabrikat. 1928 hat der Wert der deutschen Auto-mobilproduktion eine Milliarde überschritten. 63 Prozent desAbsahes erfolgte auf Teilzahlung, was bei dem überhöhten

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