Druckschrift 
Der große Irrtum der deutschen Lohnpolitik / von Georg Gothein
Entstehung
Seite
62
Einzelbild herunterladen
 

teils in einer Stagnation, teils im Rückgangder Ausfuhr, in verminderter Aufnahme-fähigkeit des Inlandsmarkts, in gewaltigerKurzarbeit und Arbeitslosigkeit aus. ImI. Quartal 1929 blieb die Ausfuhr anderer roher Gewebe um832 6x ^ 18 v. H., die bedruckter Gewebe um 2446 ^ 23 v. H.,die buntgewebter um 1871 62 17 v. H. hinter der des erstenVierteljahres 1928 zurück.

Aehnlich in wollenen Waren: Auch da war 1928unsere Ausfuhr noch um 65 Mill. RM. höher, die Einfuhr um145 Mill. RM. niedriger als 1927, ist im I. Quartal 1929 dieEinfuhr zwar um weitere 14 Mill., die Ausfuhr aber um17,8 Mill. RM. gefallen; überall ein Stocken des Absatzes! DerHandel, die Konfektion kaufen nur den dringendsten Bedarf,vermeiden jede Lagerbildung, die dem Fabrikanten überlastenwird, der hohe Vankzinsen dafür aufwenden muß, während erbitter über den schlechten Zahlungseingang zu klagen hat.Nur 78 Prozent der Arbeiter dieser Industrie waren AnfangMai noch voll beschäftigt.

Geradezu trostlos liegt es in der Leinenindustrie,wo eine Spinnerei nach der andern den Betrieb einstellt und die,die mit riesigen Verlusten noch weiter arbeiten, das nur noch anwenigen Tagen der Woche tun. Hohe Materialpreise, unmög-liche Löhne, stockender Absatz zu schweren Verlustpreisen. DieLohnerhöhungen haben sich in Aufzehrung der Substanz, Still-egung der Betriebe, schwerer Arbeitslosigkeit und Kurzarbeitausgewirkt. Anfang Mai waren keine 40 v. H. der Arbeitermehr voll beschäftigt.

Vesser war es in derSeiden-und Kunstseiden-industrie, die 1928 ihre Ausfuhr noch um 43,8 Mill. steigern,die Einfuhr um 20,25 Mill. RM. senken konnte. Auch imersten Vierteljahr 1929 ist die Einfuhr um weitere 11,1 Mill. ge-sunken, die Ausfuhr um 6,5 Mill. RM. gestiegen. Die meistendarin tätigen Unternehmungen haben noch mit Erfolg gearbeitet,von dem man freilich nicht übersehen kann, wie weit er auf derVerflechtung mit Auslandsunternehmungen beruht. Hat es doch

K2