den Anschein, als ob unsere Unternehmungen ihre Tätigkeitimmer mehr in das Ausland verlegen, wo sie billiger produ-zieren und der Ertrag nicht durch Steuern aufgezehrt wird.Selbst in Kunstseide scheinen aber die guten Tage vorbei zusein. Die Ueberproduktion und in ihrem Gefolge der Preisdruckhaben schon zu schweren Rückschlägen geführt, und wenn auchdie eine besonders gute Qualität produzierenden deutschenFabriken darunter nicht so schwer leiden, wie manche des Aus-landes, so dürften sie auch nicht davon verschont bleiben. An-fang Mai waren nur noch 74 v. H. der Arbeiter voll beschäftigt.
Jedenfalls ist, von Kunstseide und von Jute abgesehen —in welch letzterer im wesentlichen nur die ostindische Konkurrenzin Betracht kommt —, die Lage der deutschen Textilindustrie mitAusnahme einiger weniger unter Ausnahmeverhältnissen arbei-tender Unternehmungen, eine überaus schwere. BeiunsererKapitalknappheit, dem entsetzlich hohenZinsfuß, den furchtbaren Steuerlasten, kannsie eben nicht Löhne zahlen, die die ihrerNachbarstaaten um 35 — 4V v. H. übersteigen.Da sie zudem in höherem Ausmaß als irgendeine andere In-dustrie auf die Ausfuhr angewiesen ist, dürste ihr durch er-höhten Zollschutz kaum zu helfen sein. Wirkliche Hilfe kann ihrnur die Herabsehung ihrer Produktionskosten bringen.
Schuhwaren.
Cs kann nicht meine Aufgabe sein, die Lage jedes einzelnenGewerbezweiges hier durchzugehen; nur noch einige Beispiele,an denen sich die Verteuerung unserer Selbstkosten besondersdrastisch zeigt: So Schuhe, in denen wir früher eine starkaktive Handelsbilanz hatten, während sie jetzt durch Rückgangder Ausfuhr, durch Zunahme der Einfuhr ungemein passiv ge-worden ist. Die Tschechoslowakei (vor allem Vata in Znin )unterbietet uns auf unseren früheren Cxportmärkten und machtuns im eigenen Land einen recht empfindlichen Wettbewerb.Die Folge von beidem ist eine so exorbitante Arbeitslosigkeit undKurzarbeit im Schuhmachergewerbe, wie in kaum irgendeinem
63