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Der große Irrtum der deutschen Lohnpolitik / von Georg Gothein
Entstehung
Seite
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Wertzöllen das beste Fabrikat aus und in Durchschnittswareunterbietet uns das billiger arbeitende Ausland.

Chemische Farben- und pharmazeutische Industrie.Gewiß haben wir auch noch Industrien, die ihre Ausfuhrandauernd zu steigern vermochten. So unsere chemische,Farben- und pharmazeutische Industrie. Dasinnige Hand-in-Hand-Arbeiten von Wissenschaft und Technik,der Crfindungsgeist unserer Chemiker hat uns darin die Führungverschafft. Aber im Krieg hat man uns unsere Patente geraubt,Amerika, England, Frankreich, Japan , die früher auf den Bezugder deutschen Teerfarben angewiesen und unsere besten Ab-nehmer waren, machen sich nicht nur selbständig, schließen dasdeutsche Erzeugnis durch Einfuhrverbote oder prohibitive Zölleaus, sondern bereiten ihm auch überall schärfsten Wettbewerb.Nur in den besten Qualitäten kann man das deutsche Fabrikatnicht entbehren. Dem Wert nach hat freilich unsere Farben-ausfuhr wieder die der Vorkriegszeit erreicht, dem gesunkenenGeldwert nach bleibt sie weit dahinter zurück.

Die Auswirkungder falschen Lohn- und Steuerpolitik.

War es früher unser Stolz, unsere Erfindungen allein imInland auszubeuten und die hier gewonnenen Erzeugnisse aus-zuführen, so überlassen wir sie heut dem Ausland zur Ausfühmngoder suchen sie in Beteiligungen an dortigen Unternehmungen füruns auszuwerten. So unsere Verfahren zur Gewinnung syn-thetischen Stickstoffs, zur Kohlehydrierung, unsere feinsten Farbenusw. Das mag vorteilhaft für die Erfinder, wie für die beteiligtendeutschen Kapitalisten sein, aber es schafft uns keine Arbeits-gelegenheit, ja es schränkt uns diese durch die damit erwachsendeKonkurrenz des Auslandes ein. Im ersten Quartal 1929 weistdenn auch die Ausfuhr dieser Gruppe bereits einen Rückgangauf.

Zu dieser Ausfuhr unserer Erfindungen statt der damithergestellten Produkte nötigen unsere Kapitalarmut und der dar-

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Georg Gothein , Lohnpolitik

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