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Der große Irrtum der deutschen Lohnpolitik / von Georg Gothein
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aus sich ergebende hohe Zinsfuß. Nötigt uns die unerhörte Höheder Steuern mit ihrer Doppelbelastung desselben Vermögensund Einkommens bei der juristischen und bei der physischenPerson. Nötigt uns die im Verhältnis zur Leistung zu großeHöhe der Löhne und Soziallasten mit allen polizeilichen undsozialen Beschränkungen. Die Höhe der Steuern ist aber wiederzum sehr erheblichen Teil bedingt durch die der Löhne undSoziallasten.

Eine Lohnpolitik, die bei Ablauf jedesTarifvertrages die Löhne erhöht ohne Rück-sicht auf die wirtschaftliche Lage, ohne Rück-sichtdarauf, obsie von derIndustrieohne Ge-fährdung der Rentabilität und der notwen-digen Kapitalbildung getragen werden kann,muß mit Naturnotwendigkeit zur Verteue-rung der Preise, zur Verschuldung der Unter-nehmungen und mangels Kapitalbildung zufortschreitender Erhöhung des Zinsniveausführen. Die Preissteigerungbringtselbstdieim Lohn Aufgebesserten um den größten Teilder ihnen zuteil gewordenen Lohnerhöhung.Und indem sie bei den Teilen der Bevölke-rung, die ihr Einkommen nicht zu erhöhen inder Lage sind,den Verbrauch einschränkt unddie Wettbewerbsfähigkeit gegen das Aus-land vermindert, verringert sie den Gesamt-absatz: erhöht durch Nichtausnutzung der Pro-duktionskapazität die Selbstkosten, führt zurKurzarbeit und zur Arbeitslosigkeit. Diewird um so stärker, je mehr der Unternehmerversucht, die gestiegenen Lohnkosten durchverstärkte Maschinisierung auszugleichen.Die Rationalisierung ermöglicht aber wegender fortgesetzten Lohnerhöhungen keinePreisherabsetzung, also auch keine Absatz-verstärkung. Sievermehrtdie Kapitalknapp-

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