Druckschrift 
Der große Irrtum der deutschen Lohnpolitik / von Georg Gothein
Entstehung
Seite
77
Einzelbild herunterladen
 

Vermögenszunahme. Die Crbanfälle der heutigen Klaffen25, die vor dem Krieg allein erbschaftssteuerpflichtig waren,betrugen 1913: 819^4 Mill. M., 1927 dagegen nur noch 204,4Mill. RM., sind also auf weniger als ein Viertelzurückgegangen, trotzdem ihre Ausdehnung auf kleinereErbteile und der Fortfall zahlreicher Leibeserben durch dieKriegstodesfälle eher ein Anwachsen hätte erwarten lassen.

Aus diesen Vergleichen geht unser Vermögensverfall in er-schreckender Deutlichkeit hervor. In Wirklichkeit ist er nochgrößer, weil völlig oder weitgehend entwertete Vermögens-objekte bei der Steuerveranlagung in voller Höhe des Nominal-werts bzw. eines nicht mehr vorhandenen Werts erfaßt werden.

Anzureichende Kapitalbildung,Auslandsverschuldung und Zinsfuß.

Wie völlig unzulänglich die Kapitalbildungin Deutschland ist, um auch nur die für den Bevölkerungszuwachserforderlichen Investitionen vorzunehmen, geht unter anderemdaraus vor, daß wir von 1924 bis 1928 nicht weniger als14,3 Milliarden NM. ausländische Kredite aufnehmen mußten.Die Konjunkturblüte von 1927 war worauf von mir immerhingewiesen wurde eine geborgte und mußte daher raschwelken. Die derzeit wichtig st e volkswirtschaft-liche, damitaber auchsozialeAufgabe Deutsch-lands ist, neues Produktivkapital zu bilden.Ihre Lösung wird aber durch eine die Rentabilität weitgehend,oft ganz aufzehrende Lohnpolitik und durch eine den Gewinngrößtenteils wegnehmende, ja vor der Substanz nicht halt-machende Steuerpolitik verhindert. Durch die Doppelbesteuerungdesselben Vermögens und Einkommens bei der juristischen undbei der physischen Person, durch die übertriebene Staffelung derEinkommensteuer, durch die exorbitanten Realsteuern wird dasgroße gewerbliche bzw. aus körperschaftlichem Besitz herrührendeEinkommen zu 6070 v. H. weggesteuert. Selbst das trifft abernur da zu, wo eine Rentabilität vorhanden ist. In zahllosen

77