Militär habe, um den darüber in Spandau ausbrechenden Auf-stand niederzuwerfen? Ich erklärte ihm, Spandau nicht inOrdnung bringen zu können, ohne die Akkordarbeit wieder ein-zuführen. Die vielstündigen Verhandlungen mit den Vertreternder Spandauer Arbeiter gehören zu den unerfreulichsten Stundenmeines Lebens. Aber ich blieb fest. Und es kam weder zu einemStreik noch zum Aufstand. Ja wenige Tage später verlangtendie Arbeiter in Kiel und Friedrichsort ebenfalls die Akkordarbeiteinzuführen. Die von Siemens, der A. C. G., Borsig usw.wollten sie auch. Die Vernunft setzte sich durch.
Das würde sie auch jetzt tun, wenn die Regierung sich klarund fest für ein Stoppen der Lohnbewegung einsetzen wollte.Wenn sie den Arbeitern darlegte, wie jede Lohnerhöhung diePreise treibt und Arbeitslosigkeit schafft. Sie ist dabei inder glücklichen Lage, sich darauf berufen zu können, daß Groß-handels- wie Lebenshaltungsindex z. Z. im Rückgang begriffensind. Daß dieser sich aller Wahrscheinlichkeit fortsetzen wird,wenn die Bewegung nicht durch Lohnsteigerungen aufgehaltenoder gar ins Gegenteil verkehrt wird. Die Gewerkschaften habenimmer erklärt, in Lohnreduktionen willigen zu wollen, wenn diePreise sänken. Keynes hat den l'racle Unions freilich mit Rechtauseinandergesetzt, daß die Löhne vorangehen müßten. Runsinken bei uns sogar die Preise, trotzdem werden weitere Lohn-erhöhungen gefordert und dekretiert. Vei einsehenden Steuer-erleichterungen ließen sich mit Konsumvereinen, Warenhäusern,großen Spezialgeschäften, Innungen, Verbänden usw. Verein-barungen treffen, gleichzeitig mit den Löhnen die Warenpreisezu senken. Schon um sich ihre Kundschaft zu erhalten, würdendie anderen folgen. Das würde den Absatz beleben, den Real-lohn günstiger gestalten als eine Lohnerhöhung. Das ist derWeg des Aufstiegs, der andere führt in den Abgrund.
Die großen Irrtümer der deutschen Lohn-politik sind:
Die Aeberschätzung des Nominallohns.
Der Irrglaube, durch Lohnsteigerungenwerde der Konsum belebt, die Beschäftigung
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