neuen Krise führte, die wiederum unseren Wirtschaftskörper fieberhaftin immer neue Zustände wirtschaftlicher Krisen werfen muß. DenAbsatz im Inland zu pflegen und auf den im Ausland zu verzichten, warein sehr ernsthafter, oft und gern wiederholter Vorschlag, während derZeiten, in denen der letzte Zolltarif von 1902 entstand. Heute weißjeder, daß Deutschland , um seinen Verpflichtungen aus dem Friedens-vertrag und der kommenden Anleihe mit ihren Zinsen und Abzahlungenusw. gerecht zu werden, einen aufs Höchste gesteigerten Export zutreiben hat. Es erübrigt sich also, die Notwendigkeit eines Außenhandelsund noch dazu eines auf den höchstmöglichsten Punkt getriebenen zubeweisen.
Einfuhr und Ausfuhr sind aber untrennbar verbunden,
und deshalb muß man, wenn man vom Außenhandel spricht, immerdaran denken, daß er Import und Export umfaßt. Ebenso muß manme vergessen, daß ein deutscher Zolltarif, ein deutscher Handelsvertragstets zwei Wirkungen auslöst, eine auf das Inland, eine auf das Ausland.Die Frage der gesteigerten deutschen Ausfuhrbehandeln, heißt also die Frage der deutschenEinfuhrprüfen.
Der neue deutsche Zolltarif ist nur bestimmt, die Norm aufzustellen,nach der Zölle auf alle eingeführten Güter erhoben werden können.Die Handelsverträge zwischen uns und anderen Nationen werden dannentscheiden, ob sich auf diesem Zolltarif ein Handelsvertrag auf bauenläßt. Von diesem Gedanken hat sich scheinbar auch die Regierungtragen lassen, indem sie als Resultat längerer Vorbereitung einen Tarifvorlegt, der in fast allen seinen Positionen so hoch über dem alten gültigenTarif steht, daß man von vornherein annehmen muß, dieser neue Tarifsei gar nicht ernsthaft gemeint, sondern nur dazu bestimmt, den Gegnern,als die man die fremden Vertragschließenden betrachtet, die Möglichkeitzu geben, Abstriche zu fordern, die man ihnen dann gewähren will, umvon ihnen Abstriche in ihren Tarifen zu fordern. Wir sehen also hier dasBild, das wir bisher stets beim Abschluß von Handelsverträgen sahen,ein Fordern hoher Sätze, einen Versuch, den Gegner zu schädigen undselbst die größtmöglichsten Vorteile herauszuholen, also ein widerlichesSchachern um die Positionen der Tarife. Man versucht dabei sich undandern vorzutäuschen, daß derartiges Verhalten der Geist des Handelssei und findet leider im Volk genügend Menschen, die daran glauben,denn die Menschen gliedern sich nach Hume bekanntlich m oberfläch-liche und in abstrakte Denker, wobei die Zahl der oberflächlichen leiderdie Mehrzahl ist. Wenn also unsere Regierung einen
neuen Zolltarif
vorlegt, der in dem soeben geschilderten Geiste abgefaßt zu seinscheint, dann muß man die oberflächliche Denkungsart einer großenAnzahl unserer Mitbürger doch daran erinnern, daß sich der Handelnicht in der Form gegenseitigen Betrügens oder gegenseitiger Betrugs-versuche abspielt, sondern daß im Handel Parteien sich gegenüberstehen,die miteinander Geschäfte machen wollen. Wohl kommt es häufig vor,
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