des deutschen Arbeiters in Ziffern wohl höher als 1914 ist, aber infolgeder gesunkenen Kaufkraft des Geldes geringere Erstehungsmöglich-keiten der für das Leben notwendigen Dinge vorhanden sind, so ergibtsich, daß mit der Wiedereinführung von Getreidezöllen, um nur vondiesen zu sprechen, eine Verschlechterung in der Lebenshaltung derschaffenden und verbrauchenden Bevölkerung eintreten muß.
Um nochmals den Zweiflern mit wissenschaftlichem Material zukommen, muß erwähnt werden, daß nach den Berechnungen Prof.Brentanos im Jahre 1911 81%derBevöTkerungKäufervonGetreide waren. Diese 81 % wurden also unmittelbar durch erhöhteZollsätze in der Verwendung ihrer Einkommen geschädigt, indem siemehr für Brot auszugeben hatten als ohne diese Zölle, während nur19%VorteilvonhohenZöllen hatten. Zugunsten von diesemProzentsatz soll also die überwiegende Mehrheit des Volkes in seinerLebenshaltung benachteiligt werden.
Es wurde aber schon vorstehend gezeigt, daß es ein Trugschluß ist,anzunehmen, der Landwirt hätte wirklich einen Vorteil von höherenPreisen. Nehmen wir an, daß der Landwirt heute ein Einkommen von100 (nur um eine runde Zahl zu nehmen) aus seinem Betriebe hat, wovoner, um nur ein Beispiel zu geben, 10 für die Bekleidung seiner Personund seiner Familie ausgibt. Durch die Wiedereinführung der Zölleerhöht sich sein Einkommen um sagen wir 10%. Der Landwirt kannalso nach Ansicht oberflächlicher Denker 10 % mehr für seine Bedürfnisseausgeben. Da aber der Schneider, von dem er bisher für 10 kaufte,jetzt infolge der Brotverteuerung und der damit untrennbar verbundenenallgemeinen Lebenshaltung-Verteuerung mehr für sein Brot und seinefür seinen Beruf benötigten Materialien ausgeben muß, so kann er demLandwirt nicht mehr wie bisher, sagen wir, 4 Anzüge für 10 machen,sondern nur noch 3 %> Anzüge und der Landwirt muß also von seinemMehreinkommen bereits einen guten Teil an den Schneider abgeben.Dieser verdient aber nicht etwa dadurch, daß er nun 12,50 vielleichtfür 4 Anzüge erhält, mehr, sondern bleibt im günstigsten Fall auf deralten Stufe stehen. Die Berechnung ist aber falsch, denn der Landwirtmuß bei verstärktem Bedarf des Inlands durch Fortfall ausländischerEinfuhren mehr Hände in seinem Betrieb beschäftigen und wird einenweiteren Teil seines Einkommens für Mehrlöhne ausgeben müssen,da ihn der Unterhalt von mehr Köpfen wieder mehr kosten würde. Da dieAbsicht der Zollerhöhung aber nicht dahin geht, andern als dem Land-wirt Vorteil von diesen Zöllen zukommen zu lassen, so wird der Landwirtwahrscheinlich auf dem bisherigen Lebensstandard stehen bleiben, währenddie Masse der Bevölkerung in ihrer Lebenshaltung gedrückt wird. Dieunausbleibliche Folge neuer landwirtschaftlicher Zölle ist eine Steigerungder Preise der Industriefabrikate, und dies in einer Zeit, da von allenSeiten versucht wird, das Preisniveau herabzusetzen. Die Versuche derRegierung, von sich aus durch künstliche Maßnahmen die Produktions-und alle übrigen Kosten herabzudrücken, können also nicht besser ver-hindert werden als durch die eigenen Maßnahmen der Regierung, dieBrot- und Lebensmittelpreise durch neue Zölle zu erhöhen. Wenn manschon Getreide und Feldfrüchte mit Zöllen belegen will, so ist es doch