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Die Gefahr des neuen Zolltarifs / Von Hermann Butzke
Entstehung
Seite
13
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Großbritanniens , seiner Dominien und Kolonien:

Importe aus

Jahr

Exporte nach

Uberschuß de:

Deutschland

Deutschland

Exportziffern

(I n 1000 Pfund gerechnet):

40165

1899

53 697

Plus 13 532

42 875

1900

53 994

11119

41 756

1901

50 004

8248

43 837

1902

47 372

3 535

46131

1903

58039

11 908

60 228

1904

63 302

3 074

65 792

1905

61 608

Minus 4 184

70 990

1906

70 672

318

78 077

1907

84 377

Plus 6 300

68857

1908

74 796

5 938

72 598

1909

81 928

9 330

82119

1910

95160

13 041

87 429

1911

96 540

9111

95 522

1912

101 514

5 992

107 301

1913

109 739

2 438

Wir müssen hierbei bedenken, daß in diesen Ziffern natürlich diegewaltigen Rohstoff Importe stecken, deren Deutschland bedarf, um seineSchornsteine zum Rauchen zu bringen, und wir müssen bedenken, daß inden zu Stoffen verarbeiteten Rohmaterialien ein größerer Verdienststeckt, so daß aus der anscheinenden Passivität (dem Uberschuß derEinfuhr über die Ausfuhr) nicht etwa hervorgeht, daß Deutschland derVerlustträger war, sondern wir wissen im Gegenteil, daß Deutschland in den obigen Jahren sich eines ständig wachsenden Wohlstandes erfreute.Die Höhe der Importe ist der beste Gradmesser für das Wohlergeheneines Landes. Je mehr wir einführen können, um so größer ist unserReichtum, unser Einko mmen.

Je größer die Industrie eines Landes, umso größer auch die Einfuhrvon Fertigwaren. Kein Land kann sich selbst genügen, weder in Roh-stoffen noch in Fertigwaren. Weder selbst kann Nordamerika alle Roh-stoffe auf seinem Boden hervorbringen, noch kann England in seinemWeltreich der Rohstoffe anderer Nationen, noch der Fertigwaren fremderVölker entbehren. Wir in Deutschland können am besten sehen, daßwir nicht auf uns selbst gestellt leben können, denn es wäre doch einUnding, wenn z. B. Oberschlesien sich von den an Polen gefallenenKohlengruben keine Kohlen liefern lassen wollte, um sie statt dessen ausWestfalen zu beziehen.

Wenn wir uns aber die obigen Positionen ansehen, so können wir docherkennen, daß es sich nicht um sogenannte Luxusimporte handelt,sondern um zum Teil unentbehrliche Rohstoffe. Garn jeder Art istein Material, das unsere Weber nicht entbehren können. Unsere Textil-fabriken müssen Leinen, Hanf und Woll- sowie Baumwollgarn beziehen,und der Einfluß der deutschen Spinner muß sehr groß sein, wenn esihnen möglich ist, in den neuen deutschen Tarif Sätze für einzuführendesGarn zu bringen, die um rund 100% über den früheren Zollsätzen liegen.