derselben falschen Anschauung, welche auch in der Schutzzollfrageeine so verhängnissvolle Rolle spielt, als oh nämlich ein volkswirth-schaftliclier Gewinn nur aus den Operationen des Verkaufens, desExportirens, nicht des Kaufeus, des Importirens resultire, als ob Ver-kauf mit Vortheil, Kauf mit Schaden identisch sei. Sind nicht, imGegentheil, Kaufund Verkauf identische Begriffe, zweierlei Bezeich-nungen für denselben Tauschact, je nachdem man ihn von der einenoder der anderen Seite betrachtet? Das Dazwischentreten des Gel-des, an Stelle des der Vorzeit angehürigen directen Tausches derErzeugnisse, hat die Benennungen Kauf und Verkauf geboren, ohnedas eigentliche Wesen des Tausches verändert zu haben. Das Geldist selbst eine Waare und repräsentirt den reellen Werth der dafüreingetauschten Waaren; man kann den Verkäufer einer Waare ebensogut Käufer des Geldes nennen. Es ist also vollständig unlogischin solcher Weise Kauf und Verkauf als oekonomisch verschiedenartigeund verscliiedenwerthige Operationen hinzustellen. Wer kauft, er-wirbt einen Gegenstand der ihm mehr werth ist, als das Geld, welcheser dafür giebt, und wer verkauft, gieht einen Gegenstand hin, derihm weniger werth ist, als das Geld, welches er dafür erhält. BeideOperationen bringen also gleichen Gewinn und haben, unter norma-len Verhältnissen, gleiche wirthschaftliche Bedeutung.
Es ergiebt sich hieraus, wieder denkbar günstigste wirthschaft-liche Zustand, in welchem alle Privatinteressen der Produzenten undConsumenten harmonisch in dem Gesammt-Interesse der Allgemein-heit aufgehen, nur ein solcher sein kann, in welchem wederaussergewühnlich hohe, noch niedrige, sondern normaleDurchschnittspreise herrschen, die dem Käufer, wie Ver-käufer gleichen Gewinn lassen. Sie sind das wahre Symptom derGesundheit wirthschaftlicher Verhältnisse Die Characteristik derwirthschaftlichen Krisen muss von dieser Grundanschauung ausgehen,woraus sich naturgemäss die Folgerung ableitet, dass nicht bloss dieabnormalen Preis Verminderungen, sondern ebensowohl die Steigerungenals kritisch anzusehen sind. Auf diesem Cardinalsatz fussen sowohldie folgenden Erörterungen, als sie seine nähere Begründung bringenwerden.
Die ideale wirthschaftliche Aufgabe ist erfüllt, wenn die höchsteGütererzeugung und die gleichmässigste Vertheilung des dabeierzielten Gewinnes unter die Theilnehmer an der wirthschäftlichen