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Die wirthschaftliche Krisis / von Wilhelm Oechelhaeuser
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ihren Schaden wieder von Dritten einzuziehen, also in noch weitereKreise zu übertragen. Ausser dieser falschen Beurtheilung zu Gunstender zunächst ins Auge fallenden Preissteigerungen, trüben aber auchtraditionelle Vorurtheile verschiedenster Art den Blick des Volkes.Bei gewissen Erzeugnissen oder Dienstleistungen werden hohe, beianderen niedrige Preise als Characteristik günstiger Verhältnisse be-trachtet. Und noch mehr gelten die Interessen einzelner Klassenals Barometer für die allgemeine Lage, insbesondere der Klassen,welche ihre Interessen traditionell am Geschicktesten zu vertretenwissen. So ist z. B. keine Frage, wie die Interessen der Arbeiter-bevölkerung nirgendwo, und am wenigsten in England , wo die Aus-nutzung des Arbeiters am weitesten ging, die gebührende WürdigungSeitens der Allgemeinheit gefunden haben, bis sie sich selbst zurgemeinsamen Vertretung derselben aufrafften. Die Naivetät, mitwelcher man noch vor wenigen Decennien wagen durfte, von gün-stiger wirthscbaftlicher Grundlage einer Gegend zu sprechen, wo dieLöhne so niedrig standen, dass die Arbeiter kaum ihr thierischesLeben fristen konnten, darf sich heute nicht mehr ans Licht wagen.Heute betrachten wir dann nur die Verhältnisse als wirthschaftlichgesund, wenn sie jedem Theilnehmer an der Arbeit seinen gerechtenAntheil am Gewinn sichern.

Bei dem geschilderten Stand der populären volkswirthschaftlichenKritik kann es nun nicht Wunder nehmen, wenn aussergewöhnlicheErscheinungen, nicht etwa bloss in ihrer Tragweite, sondern auch inihrer Bedeutung überhaupt falsch aufgefasst, wenn sogar Krankheits-Erscheinungen als Zeichen der Bliithe gedeutet werden. Da aberdie Ansichten hierüber das Verhalten des Einzelnen, wie des Staates,in den Krisen bestimmen, so ist hier die Klärung der Begriffe vonder höchsten praktischen Wichtigkeit.

Um das Wesen und die Bedeutung einer Krise zu ermessen,gilt es vor Allem, den der Krise entgegenstehenden normal-gesundenZustand der Volkswirtschaft zu kennzeichnen. Das geschilderteVorurtheil ist hier gleich bei der Hand und identifizirt hohe Preisemit allgemein günstiger Geschäftslage, ohne zu berücksichtigen, wieder Vortheil des Produzenten oder Verkäufers aus dem höherenPreise, durch den gleichen Nachtheil, welchen der Consument oderKäufer dadurch erleidet, ausgeglichen wird, wie also ein reines Pluswirthscbaftlicher Vortheile nicht in ausserordentlichen Preiserhöhungen,sondern nur in der vermehrten Erzeugung wirthscbaftlicherWerthe gefunden werden kann. Der ganze Irrthum beruht auf