Druckschrift 
Die wirthschaftliche Krisis / von Wilhelm Oechelhaeuser
Entstehung
Seite
9
Einzelbild herunterladen
 

9

hängigkeit von äusseren Einflüssen denkbar. Jede dieser Störungenverschiebt aber sofort das Gleichgewicht in den gewohnten Consum-tions- und Productionsverhältnissen verschiedener Erwerbszweige,wodurch die Preise zunächst über oder unter den normalen Durch-schnitt steigen oder fallen. Im ersteren Fall, der gesteigerte Nach-frage oder verminderte Production zur Ursache haben konnte, hältdie Preissteigerung so lange an, bis sie durch Verminderung derNachfrage oder Steigerung der Production zum Stillstand gebrachtwird. Nach dem statischen Gesetz aber, wonach jede Bewegungfortdauert, bis sie sich in Gegenwirkungen erschöpft hat, wird nunder Rücklauf der Preise in der Regel nicht auf dem Durchschnitts-niveau inne halten, sondern zunächst unter dasselbe herabsinken,bis wieder das gleiche Verhältniss, wie beim Anfang der Bewegung,hergestellt ist und eine Steigerung eintritt. Der allmächtige undselbstthätige Regulator, die Concurrenz, bewegt auf diese Weisedie Preise in Wellenlinien um die Achse des natürlichen Werthes,dieses Mittelpunkts, wie Ad. Smith sagt, zu dem alle Preise stetszurückzukehren streben.

Wenn aber einmal schon die Ermittelung der Durchschnittspreisebei Waaren, Löhnen, Capitalwerthen mannigfachen Schwierigkeitenbegegnet, wenn sie ferner nicht als stabile Grössen, sondern mehr alsDurchschnitte aus den normalen Schwankungen aufzufassen sind,so tritt noch ein wichtiger Faktor hinzu, welcher ebenfalls beider Vergleichung von Werth und Preis berücksichtigt sein will. Essind dies die Veränderungen im Werthverhältniss selbst, welche dieZeit mit sich bringt, welche insbesondere zu den Erbschaften ausser-gewöhnlich günstiger oder ungünstiger Perioden gehören. Es isthiernach also durchaus nicht immer gesagt, dass der natürliche Wertheiner Waare oder Dienstleistung am Schluss einer Krisis noch der-selbe sei, als zu Anfang derselben. Die letzte Steigerung der Ge-hälter und Löhne z. B., dieses wichtigsten Elementes der Werthbil-dung, lässt sich, und wir betrachten dies als einen grossen socialenFortschritt, nur zum Theil wieder rückgängig machen. Hiernach mussz. B. der natürliche Werth der Kohlen, worin sehr viel Arbeitslohnsteckt, nach der Krisis ein höherer als vor der Krisis sein. Aufder anderen Seite können üherhohe Preise eines Produkts, UberhoheLöhne, zu veränderten Richtungen des Consums, oder zu arbeiter-sparenden mechanischen Verbesserungen Veranlassung geben, welcheeiner Waare nicht mehr möglich machen, dieselben Durchschnitts-preise wie vor der Krisis zu erzielen.