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Die wirthschaftliche Krisis / von Wilhelm Oechelhaeuser
Entstehung
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tellectuellen und physischen Kräfte des Menschen entfalten sich nurim Zustand der Massigkeit, bei normaler Anstrengung und normalemGewinn zur höchsten Leistungsfähigkeit. Der Blick für die vortheil-hafteste Verwendung aller irgend disponiblen Arbeitskräfte und Ca-pitalien, für die beste und vortheilhafteste Anlage der Ersparnisse,bleibt ungetrübt, wird weder beeinflusst durch vorübergehende ausser-gewöhnliche Erfolge, welche den trügerischen Schein des Dauerndentragen, noch durch pessimistische Befürchtungen hinsichtlich der Zu-kunft. Die Produktion richtet sich nach der Consumtion und diesewieder nach den normalen menschlichen Bedürfnissen und Neigungen;ängstliche Einschränkung wird ebenso vermieden, als ein Ueber-maass unproductiver, luxuriöser Verwendung. Die Creditgewährun-gen basiren auf ruhigem Ueberschlagen der eignen disponiblen Mittelund der objectiven oder subjectiven Zuverlässigkeit des Creditnehmers.Es sind dies die Zeiten, von denen man, wie von einer guten Haus-frau, am wenigsten spricht, und deren Werth man erst schätzen lernt,wenn sie vorbei sind. Das Jahr 1869 kam diesem Zustand sehrnahe, insbesondere da sich die seit 1866 auf dem Unternehmungs-geist lastende Furcht vor einem Kriege mit Frankreich gerade indiesem Jahr bedeutend gemildert hatte.

Ein solcher Zustand ungestörten Waltens und wechselseitigerFortentwickelung aller wirtschaftlichen Kräfte mag in Wirklichkeitüberhaupt nur in kurzen Zeitperioden stattfinden und niemals sichgleichzeitig über alle Zweige menschlicher Thätigkeit erstrecken.Auch ist die Characteristik der Normal-Durchschnittspreise nicht alseine vollständige Stabilität derselben, überhaupt die Vergleichungzwischen Tagespreis und natürlichem Werth nicht als eine leichteAufgabe aufzufassen. Tooke erklärt es z. B. für unmöglich einenDurchschnittspreis des Getreides ermitteln zu können. Seitdem derWaarenaustausch durch das Dazwischentreten des Geldes und diedadurch ermöglichte Arbeitstheilung in zwei Operationen zerlegtworden ist, musste die Fühlung zwischen Production und Consumtionentsprechend leiden. Der Zwischenhandel, die Speculation täuschensich oft in ihren Berechnungen und treiben durch Einkäufe Pro-duction und Preise in die Höhe, bis ihre Mittel erschöpft sind undder Rückschlag eintritt. Der grosse Wechsel in den wirthschaft-lichen Resultaten der unentgeltlich mitwirkenden Naturkräfte, ins-besondere in dem verschiedenen Ausfall der Erndten bewirkt eben-falls Schwankungen nach oben oder nach unten. Und überdies istniemals ein idealer Zustand allseitiger Ruhe, vollständiger Unah-