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Die wirthschaftliche Krisis / von Wilhelm Oechelhaeuser
Entstehung
Seite
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ist ein rasclies, aussergewöhnliches Steigen vieler Preise. Wennder Sprachgebrauch von einem Steigen aller Preise redet, so istdies grundsätzlich und thatsächlich falsch, und bildet eine Quelle derunrichtigsten Beurtheilung des Charakters und der Einwirkungeneiner Hausse-Krisis. Wenn alle Preise gleichmässig stiegen, alsojeder Fabrikant im gleichen Yerhältniss mehr für die Waare bekäme,als ihm Löhne und .Rohstoffe theurer kamen, jeder Arbeiter, Beamteim gleichen Yerhältniss höher bezahlt würde, als ihm sein Lebens-unterhalt theurer zu stehen kommt u. s. w., so wäre überhaupt durchdas Steigen, sowie andernfalls auch durch ein derartiges gleichmässigesFallen aller Preise, gar keine Veränderung auf wirtschaftlichemGebiete bewirkt worden. Nur der Ausdruck der Werthe in Geldhätte sich verändert, und auch dies nicht länger, als bis das Geldselbst in das erhöhte Preisniveau eingerückt sein würde. Alle sach-lichen Verhältnisse wären im Uebrigen dieselben geblieben und voneiner Krise in günstigem oder ungünstigem Sinn könnte gar keineRede sein. Wie wir nun oben gesehen haben, ist es überhaupt nurein populärer Irrthum, Steigen der Preise an sich mit Erhöhung desallgemeinen Wohlstands zu identifiziren, während doch vom Stand-punkt der Allgemeinheit der Nutzen des Verkäufers an der Preis-steigerung vollkommen durch den adäquaten Schaden des Käufersausgeglichen wird. Die absolute Höhe der Preise ist von diesemStandpunkt aus an und für sich etwas ganz irrelevantes; nicht imSteigen der Preise, sondern in der Vermehrung der Güter liegt derwirtschaftliche Fortschritt der Nation.

Eine Krise ist also überhaupt nur vorhanden und erkennbar,wenn die Preise eines bedeutenden Theils der verkäuflichenGegenstände oder der wirtschaftlichen Dienstleistungen aussergewöhn-lich steigen oder fallen, oder was dasselbe ist, wenn eine ausser-gewöhnliche Ungleichmässigkeit in dem Steigen oder Fallen der Preiseeintritt. Nicht ein allgemeines Steigen oder Fallen, sondern dasMissverhältnis, in welches die früher normalen Preise,Gewinne, Löhne zu einander gerathen, characterisirt diekritischen Perioden. Der tief eingewurzelte Irrtum, als fändenauf ökonomischem Gebiete, aus gleichen allgemeinen Ur-sachen auch gleiche, höchstens im Grade verschiedeneEinwirkungen auf alle Zweige der Erwerbsthätigkeitstatt, wird durch jede Krise eklatant widerlegt. Die aussergewöhn-liche Nachfrage oder die Speculation, wenn sie aus irgend einemAntrieb in den normalen wirtschaftlichen Entwickelungsgang ein-