Druckschrift 
Die wirthschaftliche Krisis / von Wilhelm Oechelhaeuser
Entstehung
Seite
12
Einzelbild herunterladen
 

12

greift, nimmt stets bestimmte Richtungen, heftet sich stets an be-stimmte Zweige gewerblicher oder finanzieller Thätigkeit. Man kannbestimmte Categorien von Gegenständen, Geschäften unterscheiden,die schon nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauch speculationsfähigsind oder nicht, wenn diese Categorien auch durchaus nicht feststehen,vielmehr jede neue Speculationsperiode, je nach den stattgehabtenVeränderungen in der Gesetzgebung, den Consumrichtungen oder denVorurtheilen, auch neue Gegenstände in ihren Bereich zieht. Aberabgesehen davon, dass die kritischen Strömungen stets nur bestimmte,nicht alle Erwerbszweige berühren, wirken überhaupt gleiche Ein-flüsse in höchst ungleicher Weise bei den einzelnen Erwerbs-zweigen auf Steigerung der Preise, Löhne oder Gewinne ein, je nach-dem die Production der gesteigerten Nachfrage schneller oder lang-samer folgen kann, je nachdem die Preissteigerung den Absatz stärkeroder schwächer, nach kürzerer oder längerer Frist zu beeinträchtigenbeginnt, je nachdem verstärkte Production die Productionskosteneines Gewerbes vermindert oder steigert u. s. w.

Geht man näher in die Preisveränderungen auf den verschiedenenGebieten der wirthschaftlichen Thätigkeit ein, welche von 1871 bis1873 in der allgemeinen Richtung nach oben stattfanden, so wirdman in der That eine aller Regel, alles Zurückführens auf einen ge-meinsamen Anstoss zu spotten scheinende Verschiedenheit gewahren,je nachdem ein Gebiet mehr oder weniger, oder gar nicht von denäusseren Ereignissen, von veränderter Nachfrage, oder von der Spe-culation berührt wurde. Bei längerer Dauer solcher Perioden machtsich allerdings ein Drang auf Ausgleichung der Preise, Gewinne undLöhne in der Richtung der alt gewohnten Werthverhältnisse geltend;Jeder, der Geld zu placiren hat, wird gleichsam zum Arbitrageur.Dennoch ist diese ausgleichende Thätigkeit, bei der kurzen Zeitdaueracuter Krisen, durchaus nicht mächtig genug, den auf Preisdiver-genzen hindrängenden Strömungen Einhalt zu thun. Wir sahen injenen Jahren die Preise vieler Erzeugnisse, oder die Vergütung fürgeleistete Dienste aufs Doppelte und Dreifache, in andern Fächernunbedeutend, in anderen gar nicht steigen. Bei gewissen Erzeug-nissen stiegen die Productionskosten in gleichem Verhältniss zumPreis, der Gewinn (d. h. die Differenz zwischen Productionskostenund Verkaufspreisen) blieb also derselbe. Bei anderen Erzeugnissendagegen stiegen die Productionskosten weit stärker, schmälerten alsoden Gewinn, trotz der höheren Verkaufspreise. Bei noch anderenhlieben die Productionskosten vollkommen gleich, und der volle Be-