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Die wirthschaftliche Krisis / von Wilhelm Oechelhaeuser
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insbesondere die in blanco Verkäufe, treffen Hessen , wodurch dann in-direkt auch die unanständigen Betheiligungen mancher grossen Häuseran den Baisse - Spekulationen der Coulisse, also die Deportirungen,eingeschränkt würden, die sogar dem Pariser Credit mobilier, derdoch kein Musterinstitut kaufmännischer Moral ist, statutmässig ver-boten sind. Desgleichen bleibt eine Lücke unseres Handelsrechtszu ergänzen, bezüglich Begränzung der Rechte der Depot-inhaber auf deponirte oder asservirte Fonds. Auch hierdurch würdeu. A. deren missbräuchlicher, die Interessen des Besitzers direktschädigender Darleihung für Baisse-Spekulationen ein Riegel vorge-schoben, und überhaupt Klarheit in ein Verhältniss gebracht, hin-sichtlich dessen die widersprechendsten Entscheidungen der Ober-gerichte ergangen sind.

Dass im Uebrigen die Rückkehr der Börse zu grösserer Solidität,von den Banken und Banquiers, von der Aenderung bedenklich ein-gcrissener Geschäftsgrundsätze, ihren Ausgang nehmen müsse, istschon oben erörtert. Allein es muss auch möglich sein, durch dieBörsen-Ordnungen dem Eindringen von Elementen vorzubeugen,oder doch deren Ueberwuchern zu verhindern, welche der Börse,wenn auch nur momentan, die öffentliche Achtung entziehen, ihr denCharakter/ eines Spielklubs aufdriicken konnte, in welchem sogar diegute Sitte, der gewöhnlichste Anstand verletzt wird. Mögen diespekulativen und unsauberen Umsätze sich mindern, so wird dafürdie Basis des soliden Geschäfts eine immer breitere, und das regel-mässige Geschäft wird allmählig Ersatz für Extradividenden bieten,die nur auf Kosten der kaufmännischen Ehre der Institute und derwirthschaftlichen Prosperität des Staates erreicht werden konnten.Die Börse muss wieder ein Faktor des gesunden wirthschaftlichenLebens, des arbeitenden, nicht des spielenden Theils der Nation wer-den, eine Reform aber, die sie nur aus sich heraus bewirken kann.

Um diesem Ziel wesentlich näher zu kommen, wird aber die,vielfach angerufene, erweiterte Disciplinargewalt der Börsen-Aeltestennicht ausreichen. Uns scheint ein Radikalmittel nothwendig, nämlichden Börsen Versammlungen ihren öffentlichen Charakter zu nehmenund sie auf die Mitglieder speziell zu bildender Börsen-Korporationenzu beschränken, welche in den Aufnahme-Bedingungen nicht strenggenug sein könnten. Hat man die Coulisse erst aus den Börsenherausgedrängt, das Maklerwesen seiner Bestimmung zuriickgegeben,so wird das Geschäft schon von selbst einen solideren Charakterannehmen.