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Aus der Geschichte der englischen Kornzölle / von H. B. Oppenheim
Entstehung
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Jene in dem gemäfsigten Liberalismus ihren gefährlichsten Geg-ner; sie behelligten vor Allem die Korngesetzvereinigungen undwaren auch schon bei den Wahlen eher mit den schutzzöll-nerischen Tories, als mit diesen gegangen.*) Nicht minder wur-den die Männer der Antikorngesetz-Ligue von den Konservativengehafst, gehafst und verfolgt, verfolgt und verdächtigt. Der Fana-tismus der Parteiungen ging weiter, als sonst wohl in diesempolitisch geschulten Lande, weil es sich eben unmittelbar umpecuniäre Interessen handelte. Das Attentat eines Wahnsinnigen,dem R. Peels Privatsecretär zum Opfer fiel, diente dazu, dieCobden und Genossen selbst der Mitschuld mit Meuchelmördernzu zeihen. Uebertreibung war es allerdings auf beiden Seiten,wenn Peel und Cobden einander gegenseitig für die Noth des Landesdie «persönliche Verantwortlichkeit» zuschoben. Richard Cobden war unterdessen das unbestrittene Haupt der Ligue geworden undStockport hatte ihn ins Parlament geschickt. Die Ligue warmächtig gewachsen, an Mitgliederzahl, an Einflufs, an Geld undanderen Machtmitteln; sie hatte ihr eigenes Organ in der Presseund eine gesicherte Vertretung in vielen grofsen Zeitungen. Sie warwunderbar organisirt und gewann Anhänger in allen Parteien,denn ihre Stimmführer hatten von Anfang an sorglich darauf ge-halten, sich mit keiner einzelnen politischen Partei zu indentifiziren.Wenn eine grofse Sache reif ist, so gelingt ihren überzeugtenAnhängern jede Mafsregel. Vergebens versuchten damals dieGegner ähnliche Organisationen ins Leben zu rufen; sie scheitertenkläglich. Auch das religiöse Gefühl warb der League eifrige, jabegeisterte Genossen, natürlich nur in der sogenannten «niederenKirche» und unter den freien Secten, denn die anglikanischeHochkirche war mit dem Toryismus enge verwachsen und schonum des Kirchenzehnten willen für hohe Kornpreise einge-nommen. Die Sitzungen der League wuchsen zn Volksver-sammlungen an und die Reden ihrer Führer verbreiteten eineFülle volkswirthschaftlicher Kenntnisse, deren Besitz noch heutemanchem kontinentalen Staatsmann wohl zu Statten käme.

Greifen wir z. B. auf gut Glück heraus, was einer ihrer Red-ner über den gemäfsigten whigistischen Vorschlag einer niedrigenfixen Getreidesteuer sagte. Das klingt zum Theil, als ob es durch

*) S. Hy Ashworth, 1. c. S. Iio und folgende.