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Meine Londoner Mission 1912-1914 / von Lichnowsky. Mit einem Vorw. von Otfried Nippold
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ihre Finanzen dadurch zu sanieren. Eine Einigung zwischen uns undEngland war zustande gekommen, welche die beiderseitigen Interessenbegrenzte, und die um so grösseren Wert besass, als Portugal sichbekanntlich in völliger Abhängigkeit von England befindet.

Dieser Vertrag sollte wohl äusserlich die Unversehrtheit undUnabhängigkeit des portugiesischen Reiches sichern, und er sprachnur die Absicht aus, den Portugiesen finanziell und wirtschaftlichbehilflich zu sein. Er stand daher dem Wortlaut nach nicht im Wider-spruch zu dem alten englisch -portugiesischen Bündnis aus dem15. Jahrhundert, das zuletzt unter Karl II. erneuert wurde und dengegenseitigen Besitzstand verbürgte.

Trotzdem war auf Bestreben des Marquis Soveral, der ver-mutlich über die deutsch -englischen Abmachungen nicht in Un-kenntnis blieb, ein neuer Vertrag, der sogenannte Windsorvertrag,im Jahre 1899 zwischen England und Portugal geschlossen worden,welcher die alten, niemals ausser Kraft gesetzten Vereinbarungenbestätigte.

Die Unterhandlungen zwischen uns und England , die bereits vormeiner Ankunft begonnen hatten, bezweckten, unseren Vertrag von1898, der auch hinsichtlich der geographischen Abgrenzung mancheUnzuträglichkeiten aufwies, umzugestalten und zu verbessern. Dankder entgegenkommenden Haltung der britischen Regierung gelang esmir, dem neuen Vertrag eine unseren Wünschen und Interessen durch-aus entsprechende Form zu geben. Ganz Angola bis an den 20. Längen-grad wurde uns zugesprochen, so dass wir an das Kongogebiet vonSüden gelangten, ausserdem noch die wertvollen Inseln San Thomeund Principe, die nördlich des Äquators liegen un d dadurch eigentlichdem französischen Interessengebiet zufielen, eine Tatsache, die meinenfranzösischen Kollegen zu lebhaften, wenn auch vergeblichen Gegen-vorstellungen Veranlasste.

Ferner erhielten wir den nördlichen Teil von Mosambik ; derLicango bildete die Grenze.

Unseren Interessen und Wünschen wurde seitens der britischenRegierung das grösste Entgegenkommen gezeigt. Sir Ed. Grey be-absichtigte, uns seinen guten Willen zu bekunden, er wünschte aberauch unsere koloniale Entwicklung überhaupt zu fördern, da England die deutsche Kraftentfaltung von der Nordsee und von Westeuropa nach dem Weltmeer und Afrika abzulenken hoffte.We dont wantto grudgeGermany her colonial development" (Wir wollen Deutschland

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