unterhandelt und gewartet hatte, mit dem Ultimatum und derKriegserklärung.
Englische Kriegserklärung.
Noch immer sann Sir Edward Grey nach neuen Auswegen. Am1. August vormittags kam Sir W. Tyrell zu mir, um zu sagen, seinChef hoffe noch immer, einen Ausweg zu finden. Ob wir neutralbleiben wollten, falls Frankreich es auch täte? Ich verstand, dasswir dann bereit sein sollten, Frankreich zu schonen, er hatte abergemeint, dass wir überhaupt, also auch gegen Russland , neutralbleiben. Das war das bekannte Missverständnis. Sir Edward hattemich für den Nachmittag bestellt. Da er sich gerade in einer Kabinett-sitzung befand, rief er mich an das Telephon, nachdem Sir W. Tyrellgleich zu ihm geeilt war. Nachmittags aber sprach er nur mehr vonder belgischen Neutralität und von der Möglichkeit, dass wir undFrankreich uns bewaffnet gegenüber ständen, ohne uns anzugreifen.
Es war also überhaupt kein Vorschlag, sondern eine Frage ohneVerbindlichkeit, da, wie ich früher schon gemeldet, bald darauf unsereBesprechung stattfinden sollte. Die Nachricht wurde aber in Berlin ,ohne erst die Unterredung abzuwarten, zur Grundlage einer weitgehen-den Aktion gemacht. Dann kam der Brief des Herrn Poineare, derBrief Bonar Laws, das Telegramm des Königs Albert. Die Schwanken-den wurden im Kabinett bis auf drei Mitglieder, die austraten, um-gestimmt.
Ich hatte bis'zum letzten Augenblick auf eine abwartende Hal-tung Englands gehofft. Auch mein französischer Kollege fühlte sichkeineswegs sicher, wie ich aus privater Quelle erfuhr. Noch am1. August hatte der König dem Präsidenten ausweichend geantwortet.In dem Telegramm aus Berlin , das die drohende Kriegsgefahr an-kündigte, war aber England schon als Gegner mitgenannt. Manrechnete also bereits in Berlin mit dem Kriege gegen England .
Vor meiner Abreise empfing mich am 5. Sir Edward Grey inseiner Wohnung. Auf seinen Wunsch war ich hingegangen. Er wartief bewegt. Er sagte mir, er werde stets bereit sein, zu vermitteln:“We don’t want to crush Germany” (wir wollen Deutschland nichtzerschmettern). Diese vertrauliche Unterredung ist leider veröffent-licht worden. Damit hat Herr von Bethmann Hollweg die letzteMöglichkeit zerstört, über England den Frieden zu erlangen.
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