Druckschrift 
Ulrich Zell, Kölns erster Drucker : mit 8 Tafeln in Strichätzung / von Johann Jakob Merlo. Nach dem hinterlassenen Ms. berarb. von Otto Zaretzky. Hrsg. v. d. Stadtbibliothek in Koeln
Entstehung
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Handschriften als Drucken in gleicher Bedeutung 1 .Unseres Erachtens dürften schon die Nachricht desKölner Chronisten von 1499, an der man nicht deu-teln wolle, sowie die Schlussschriften des Chrysosto-mus von 1466 und des Augustinus von 1467 erweisen,dass Ulrich Zell einzig und allein das Verdienst zu-zuschreiben ist, die Buchdruckerkunst nach Köln über-bracht und von Anfang an selbständig hier ausgeübt zuhaben. Die Hauptbeschäftigung der Brüder im HauseWeidenbach bestand im Abschreiben und Binden vonBüchern. Von ihrer einstigen Thätigkeit geben nochheute eine Reihe Bücher Zeugnis 2 , die zum Teil auseiner Zeit stammen, als längst die Buchdruckerkunstin Köln eine weite Ausdehnung angenommen hatte.Die Brüder zu Lüttich , dieBroeders van der penne",und die zu Münster , von wo die Stifter des Kölner Fra-terhauses stammten, dienten zum Vorbild. Als KaiserFriedrich III. im Jahre 1475 auf dem Kriegszuge gegenden die Stadt Neuss belagernden Herzog Karl von

1 Siehe die Beispiele bei Wyss und Schnorrenberg a. a. O. Ich be-schränke mich darauf, eine Stelle einer Kölner Handschrift hinzuzu-fügen. In dem Memorienbuche desSt.Kunibert-Stiftes, Pergament-Codexdes 14. Jahrhunderts im Kölner Stadtarchiv, heisst es: Memoria cuius-dam, qui dedit unum pannum de flowelo rubeo, de quo domini nostriprocuraverunt fieri (d. h. liessen machen oder verschafften) unam casu-lam et duas tunicas pro ministris. Recht unglücklich sind die beiden Bei-spiele gewählt, welche Madden zur Unterstützung seiner Deutung desWortes procurare der Kölner Buchdruckergeschichte entnommen hat.Heinrich Quentel hat 1481 seiner Druckadresse die Worte procuranteexpedenteque vorangesetzt und in einem Drucke aus dem Jahre 1531heisst es: Coloniae apud Eucharium [d. i. Eucharius Cervicornus, Hirtz-horn] procurante M. Godefrido Hittorpio. In Quentel und Hittorp habenwir zwei der bedeutendsten Kölner Verleger vor uns, welche durchihren Unternehmungsgeist und ihre Geldmittel den Druck der Bücherveranlassten.

2 Nach einem Bericht des Dompropstes Berlage in der Generalver-sammlung des Iiistorischen Vereins f. d. Niederrhein vom 28. Oktober1890 (Stadt-Anzeiger zur Kölnischen Zeitung vom 30. Oktober 1890) be-sitzen noch die Kirchen St. Martin, Gereon, Kunibert, Georg, fernerdie Bibliothek des Priester-Seminars und die Dombibliothek in Köln Arbeiten der Weidenbacher Brüder. Vgl. auch Kölnische Volkszeitungvom 17. April 1898.