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Deutschlands Volkswohlstand 1888 - 1913 / von Karl Helfferich
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gestellt wurde, dass er von Anfang an das Ziel klar insAuge gefasst und an dem eingenommenen Standpunkt mitruhiger Sicherheit festgehalten hat.

Aber mit der vertragsmässigen Sicherung unseres Han-dels und unserer Schiffahrt durften und dürfen wir unsnicht begnügen. Die Abhängigkeit vom Ausland, die dengrossen Vorteilen unseres Hineinwachsens in die Weltwirt-schaft gegenübersteht, braucht eine Verstärkung der Gegen-gewichte. Eine solche kann geschaffen werden dadurch,dass heimischer Unternehmungsgeist und heimisches Kapitalsich jenseits der Landesgrenzen ein Feld der Betätigung be-gründen und dadurch einen unmittelbaren Einfluss auf diefür unseren Bezug und Absatz wichtigen ausländischenGebiete gewinnen. Das geschieht in durchgreifender Weisedurch die Erwerbung überseeischen Kolonialbesitzes; dennhier wird der wirtschaftliche Einfluss durch die politischeHerrschaft in der denkbar wirksamsten Weise gesichert undverstärkt. Soweit aber dieser Weg beschränkt oder gesperrtist und Deutschland hat leider, als es nach der Wieder-herstellung der politischen Einheit die Blicke über Seerichtete, die koloniale Welt zum grössten Teil bereits ver-geben gefunden, muss das Ziel auf dem Wege weit-ausschauender finanzieller und wirtschaftlicher Betätigungverfolgt werden.

Die Politik kolonialer Erwerbungen war um dieMitte der 80er Jahre des vorigen Jahrhunders in bescheide-nem Rahmen, aber in einer für die spätere Entwicklungmassgebenden Weise eingeleitet worden. Bis zum Regie-rungsantritt unseres Kaisers bestanden die Ergebnisse ledig-lich in der Festsetzung einiger weniger kaufmännischer Unter-nehmungen und in der Hissung der deutschen Flagge aneinzelnen bisher herrenlosen Plätzen der afrikanischenKüste und der Südsee. Die von diesen Stützpunkten aus-

Helfferich: Deutschlands Volkswohlsland. 6