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gestellt wurde, dass er von Anfang an das Ziel klar insAuge gefasst und an dem eingenommenen Standpunkt mitruhiger Sicherheit festgehalten hat.
Aber mit der vertragsmässigen Sicherung unseres Han-dels und unserer Schiffahrt durften und dürfen wir unsnicht begnügen. Die Abhängigkeit vom Ausland, die dengrossen Vorteilen unseres Hineinwachsens in die Weltwirt-schaft gegenübersteht, braucht eine Verstärkung der Gegen-gewichte. Eine solche kann geschaffen werden dadurch,dass heimischer Unternehmungsgeist und heimisches Kapitalsich jenseits der Landesgrenzen ein Feld der Betätigung be-gründen und dadurch einen unmittelbaren Einfluss auf diefür unseren Bezug und Absatz wichtigen ausländischenGebiete gewinnen. Das geschieht in durchgreifender Weisedurch die Erwerbung überseeischen Kolonialbesitzes; dennhier wird der wirtschaftliche Einfluss durch die politischeHerrschaft in der denkbar wirksamsten Weise gesichert undverstärkt. Soweit aber dieser Weg beschränkt oder gesperrtist — und Deutschland hat leider, als es nach der Wieder-herstellung der politischen Einheit die Blicke über Seerichtete, die koloniale Welt zum grössten Teil bereits ver-geben gefunden —, muss das Ziel auf dem Wege weit-ausschauender finanzieller und wirtschaftlicher Betätigungverfolgt werden.
Die Politik kolonialer Erwerbungen war um dieMitte der 80er Jahre des vorigen Jahrhunders in bescheide-nem Rahmen, aber in einer für die spätere Entwicklungmassgebenden Weise eingeleitet worden. Bis zum Regie-rungsantritt unseres Kaisers bestanden die Ergebnisse ledig-lich in der Festsetzung einiger weniger kaufmännischer Unter-nehmungen und in der Hissung der deutschen Flagge aneinzelnen bisher herrenlosen Plätzen der afrikanischenKüste und der Südsee. Die von diesen Stützpunkten aus-