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Deutschlands Volkswohlstand 1888 - 1913 / von Karl Helfferich
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benötigten Rohprodukte vom Auslande, wie auch den Ab-satz unserer Industrieerzeugnisse im Auslande nach Möglich-keit sicherzustellen.

Die Aufgabe liegt zum Teil auf dem Felde der staatlichenWirtschaftspolitik, insbesondere der Handelspolitik.

Das Problem ist, die Erhaltung und Förderung derheimischen produktiven Kräfte mit der Erlangung möglichstgünstiger und beständiger Bedingungen für den auswärtigenHandel, insbesondere für den Absatz unserer Fabrikate undden Bezug der unentbehrlichen Rohprodukte, zu vereinigen.

Die Lösung des Problems ist der deutschen Handels-politik unter der Regierung unseres Kaisers in befriedigen-der Weise gelungen. Dies kann ohne die Gefahr ernst-lichen Widerspruchs festgestellt werden, so sehr auch geradein den handelspolitischen Fragen die Meinungen der Inter-essenten und Parteien auseinanderzugehen pflegen. DieLandwirtschaft und diejenigen Teile der Industrie, die zurEntwicklung ihrer produktiven Kräfte eines Schutzes vor derauswärtigen Konkurrenz bedürfen, haben diesen Schutz inweitgehendem Masse erhalten und sich unter diesem Schutzekräftig entwickelt. Daneben ist es durch das System derlangfristigen Handelsverträge gelungen, der exportierendendeutschen Industrie die auswärtigen Märkte, der deutschenSchiffahrt die auswärtigen Häfen offen zu halten und demdeutschen Kaufmann günstige Bedingungen für Niederlassungund Betrieb von Gewerbe und Handel zu gewährleisten.

Der Weg zu diesem Ziel führte nicht nur durch äusserstschwierige Verhandlungen mit den fremden Staaten, sondernauch durch schwere Kämpfe im Innern, bei denen dieLeidenschaften von rechts und links oft heftig aufflammten.Es ist ein bleibendes Verdienst unseres Kaisers, der gleichin den ersten Jahren seiner Regierung vor diese wichtigenund durch starke Interessengegensätze verwirrten Fragen