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Deutschlands Volkswohlstand 1888 - 1913 / von Karl Helfferich
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geschätzt wird, so bedeutet diese Zahl natürlich nur denBruttoertrag der deutschen Volkswirtschaft. Der grösste Teildieses Bruttoertrages wird im Laufe des Jahres verbraucht,vorwiegend durch Verzehr in den privaten Haushaltungen,daneben aber auch durch die nicht unbeträchtlichen Aus-gaben der öffentlichen Körperschaften. Für die letzterenist es möglich, aus den Haushaltsübersichten des Reichs, derBundesstaaten und der Kommunen ein zutreffendes Bild zugewinnen; nicht dagegen für den privaten Verbrauch. Des-halb ist man für die Ermittlung des jährlichen Ueberschussesdes Ertrags der Volkswirtschaft über den Verzehr auf dieindirekte Methode der Berechnung des jährlichen Zuwachsesdes Volksvermögens angewiesen.

2. Das deutsche Volksvermögen.

Die Schwierigkeiten, die einer einigermassen genauenBerechnung des Volksvermögens entgegenstehen, sind nocherheblich grösser als diejenigen, die bei der Veranschlagungdes jährlichen Volkseinkommens zu überwinden sind.

Allerdings besteht in einigen Bundesstaaten, vor allemin Preussen , neben der Einkommensteuer auch eine Ver-mögenssteuer. Aber das Veranlagungsverfahren bleibtan Genauigkeit wesentlich hinter dem Verfahren bei der Ein-kommensteuer zurück; so fehlt vor allem meist die Dekla-rationspflicht. Bei einer auf die Ergebnisse der Veranlagungzur Vermögenssteuer aufgebauten Schätzung des Volksver-mögens muss man sich deshalb darüber klar sein, dass dieFehlergrenzen recht weit sind. Immerhin liegt hier die Mög-lichkeit einer gewissen Gegenprobe vor in den statistischenZiffern der gegen Feuer versicherten beweglichen und un-beweglichen Werte.

Die Veranlagung zur Ergänzungssteuer in Preussen er-gibt folgendes Bild: