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Deutschlands Volkswohlstand 1888 - 1913 / von Karl Helfferich
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gehende territoriale Ausgestaltung des deutschen Kolonial-reichs und seine Erweiterung durch wichtige Neuerwerbungen,die geographische Erforschung, die militärische Unterwerfungund die allmähliche Einbeziehung in eine geordnete Ver-waltung, die wirtschaftliche Erschliessung und die kulturelleBearbeitung alle diese Leistungen fallen in die Regierungs-zeit unseres Kaisers, zum grössten Teil in die letzten 10 bis15 Jahre. Die Leistungen sind nicht gering. Zu den natür-lichen Schwierigkeiten der Gebiete, die wir uns noch inletzter Stunde sichern konnten, gesellte sich der Widerstandder Eingeborenen; die furchtbaren Opfer an Blut und diegrossen Geldaufwendungen, die die Niederwerfung des süd-westafrikanischen Aufstandes forderte, sind in aller Erinne-rung. Zu den Schwierigkeiten draussen traten hinzu dieSchwierigkeiten in der Heimat: mangelndes Verständnis,Kleinmut und Zweifelsucht, daraus hervorgehend mangelndeOpferwilligkeit und mangelnder Wagemut; schliesslich man-gelnde Erfahrung, mangelnde Organisation und mangelndeTradition, mit dem notwendigen Ergebnis wirtschaftlicher undadministrativer Fehlschläge.

Heute sind diese Anfangsschwierigkeiten im wesentlichenüberwunden.

Das deutsche Kolonialreich umfasst jetzt einen Flächen-inhalt von 2900000 qkm, es ist also etwa fünfmal so grosswie das Deutsche Reich. Die eingeborene Bevölkerung istauf mehr als 11 Millionen zu veranschlagen; die weisse Be-völkerung übersteigt 27000, während sie noch vor 10 Jahrennicht ganz 10000 betragen hatte. An Eisenbahnen warenEnde 1912 in den afrikanischen Kolonien 3867 km imBetrieb und 696 km im Bau. Der Gesamthandel derSchutzgebiete in Afrika und der Südsee (Einfuhr und Aus-fuhr) hatte im Jahre 1898 erst 46,6 Millionen Mark betragen,im Jahre 1911 stellte er sich auf 240 Millionen Mark; er