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Zur Geschichte der Goldwährung / von Karl Helfferich
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gewesen wäre; und schliel'slich vergifst Herr Dr. Arendt, dafser Bimetallist ist, und dafs er stets behauptet hat, das Gold undmit ihm das Geld der tioldwährungsländer sei seit Heginn dersiebziger Jahre beträchtlich im Werthe gestiegen. Nach den Er-rechnungen von Sauerbaok, welche von den Bimetallisten stetsins Feld geführt werden, haben heute etwa 1,30 Mk. denselbenWerth wie 'i Mk. oder 1 Gulden zu Anfang der siebziger Jahre.Wenn dem wirklich so wäre, dann stellt doch die Relation von1.7d Mk. für den Gulden nicht, wie Arendt behauptet, eine Bc-VOrzugunff der verschuldeten Klassen dar, sondern eine (ranz er-

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hebliehe Benachtheiligung. Aber Herr Dr. Arendt beliebt indiesem Kalle, im Gegensatz zu seinen sonstigen Aufstellungen, dasdeutsehe Goldgeld als unverändert in seinem Werth anzusehen,nur damit l imarns Grofsgrundbesitzer und Schuldner einen Grund

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haben, für die Goldwährung zu schwärmen, und damit er selbsteinen Grund hat, auch die Entstehung der österr.-unsarischen

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Goldwährung nicht als das Ergebnifs einer wirtschaftlichen Noth-wendigkeit, sondern als das Produkt anrüchiger Interessenpolitikhinzustellen.

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Dafs auch Ru Island alle Vorbereitungen zur Beseitigung

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seiner Kapierwährung und zu einem Uebergaug zur Goldwährungtreffe, ist schon seit langer Zeit von verschiedenen Seiten immerwieder behauptet worden. Namentlich hat man auf den Umstandhingewiesen, dafs die russische Regierung einen kolossalen Gold-bestand ansammle und erhalte. Die russische Regierung selbsthat aus ihren Absichten niemals eiuen Hehl gemacht. Aber unsereBimetallisten, welche auf die gröfsten Entfernungen das Graswachsen hören, haben stets versichert, Rufsland denke nicht imentferntesten an die Goldwährung, dazu verstehe es die Vortheile,welche seine einheimische Produktion, die industrielle und land-wirtschaftliche, durch die unterwerthige russische Kapiervalutagegenüber den Gold Währungsländern geuiefse, viel zu gut zu wür-digen. W enn Bui'slaud einen Goldschatz ansammle, so geschehedas lediglich als Vorbereitung für den nächsten europäischenK rieg.

Zu einer solchen Verkennung der russischen Absichten gehörte