Druckschrift 
Zur Geschichte der Goldwährung / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
37
Einzelbild herunterladen
 

37

Sehen wir nun, wie von bimetallistischer Seite die österr.Valntaregulirung geschildert und beurtheilt wird. Arendt schreibtin seinem Leitfaden:

Ganz besonders eigenartig liegen die Dinge in üester-

7' O Ö ö D

reich-Ungarn , wo man sich eben den Anschein giebt, alswolle mau den Zwangskurs abschaffen. Merkwürdig istes, dafs die Ungarn , die bisher als Getreide-Exporteureder Valutalierstellung widerstrebten, jetzt plötzlich für dieGoldwährung schwärmen. Bs geschieht dies deshalb, weilman eine sehr niedrige Relation der neuen Währung zuGrunde legt, d. h. die alte Währung ist zu einem niedrigen

o ' D O

Kurs in die neue umgerechnet, was für die verschuldetenKlassen ein Vortheil ist. Die Relation wird 1,70 Mk. fürden Gulden betrageu, während bei der Rückkehr des altenSilberpreises der Gulden 2 Mk. werth wäre."'Der Uebergaug zur Goldwährung in Oesterreich-Ungarn istalso nach Arendt veranlafst durch ein plötzliches Schwärmen derungarischenGetreide-Exporteure" soll heifsen Grofsgrund-besitzer und derverschuldeten Klassen"; also auch hier ver-dankt die Goldwährung ihre Einführung der Iuteressenpolitik ein-zelner Stände. Merkwürdig ist nun, dafs bei uns dieselben Grofs-griuulbcsitzer und verschuldeten Klassen für das Gegeuthcil der Gold-währung schwärmen. Aulserdem ist nach Arendt in Oester-reich augenscheinlich das schlecht, wofür diese Leute schwärmen,bei uns ist es gut; natürlich! Denn hier ist es der Bimetallismus,dort die Goldwährung. Wunderbar ist der Grund der österreichisch-ungarischen Getreide-Exporteure- und Schuldner-Schwärmerei. Derneuen österreichischen Währung ist einesehr niedrige Relation" zuGrunde gelegt, nämlich ein Gulden im Werth von 1,70 Mk., währendbeim alten Silberpreis der Gulden 2 Mk. werth wäre. Einmal vergil'sthier Herr Dr. Arendt völlig, dafs seit 1848 das eigentliche öster-reichische Geld nicht der Silbergulden war, sondern der Papier-gulden, der stets beträchtlich weniger werth war als der Silbergulden.Dann vergifst Herr Dr. Arendt, dafs die gewählte Relation nichtwillkürlich zu Gunsten der Getreide-Exporteure und Schuldnergegriffen wurde, sondern dafs sie dem durchschnittlichen Gold werthdes österreichischen Guldens einer Reihe von Jahren vor der Va-lutaregulirung entspricht, dafs eine höhere Relation als diesesehrniedrige" also eine ausgesprochene Benachteiligung aller Schuldner