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Zur Geschichte der Goldwährung / von Karl Helfferich
Entstehung
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W^enn man mit flüchtigem Blick die Währungsgeschichteunseres Jahrhunderts überfliegt, so springt sofort eine charakte-ristische Thatsache in die Augen: die Abkehr der wichtigsteneuropäischen und amerikanischen Staaten von der Silberwährungund Doppelwährung und die Annahme des Goldes als Grundlagedes Geldwerthes.

Zu Beginn des Jahrhunderts nahm England definitiv dieGoldwährimg au.

In den dreifsiger Jahren änderten die Vereinigten Staaten ,deren Doppelwährung bis dahin auf dem Werthverhältnil's von1:15 zwischen Gold und Silber beruhte, die gesetzliche Relationauf 1 : 1(). Bei der alten Relation war das Gold gegenüber demWerthverhältnisse der beiden Edelmetalle auf dem Weltmarktzu niedrig bewerthet, und in Folge dessen war die gesetzlicheDoppelwährung thatsächlich eine ausschliefsliche Silberwährung.Die neue Relation bewerthete umgekehrt das Silber zu tief, undbinnen kürzester Zeit wurde aus der thatsäehlichen Silberwährungeine thatsächliche Goldwährung.

Aehnlich gestalteten sich die Verhältnisse in den Staaten derfranzösischen Doppelwährung, welche auf dem Werthverhältnil'svon 1: 15'/2 beruhte. Bis zu den fünfziger Jahren war auf demWeltmarkt 1 Pfund Gold mehr werth als'/a Pfund Silber.Die Ausmüuzung von Silber war deshalb vortheilhafter als dieAusmünzung von Gold, Goldgeld war nur spärlich vorhanden undwurde mit Agio uotirt, die thatsächliche französische Währungwar eine Silberwährung. Da kamen die grol'sen kalifornischenund australischen Goldfuude, welche den Werth des Goldes ver-riugerten, und gleichzeitig ein starkes Anwachsen des Silber-