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Zur Geschichte der Goldwährung / von Karl Helfferich
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Jahre kein vernünftiger Grund für den Uebergaug zur Goldwährungbestanden, blol's weil die damaligen Wortführer der Regierungenund des Reichstages nicht auf jeden thürichteu und spitzfindigenEinwand geantwortet haben, welchen bimetallistische Schriftstellerein oder zwei Jahrzehute später gegen die Goldwährung vor-brachten.

Die bisherige Entwicklung hat der deutschen Münzgesetz-gebuug der siebeuziger Jahre recht gegeben. Wenn man sieht,dafs heute nur noch in Hinterasien und Mexiko eine Siiberwäbruug

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besteht, und eine Doppelwährung überhaupt nirgends mehr, wieder weitaus gröfste Theil der Staaten von europäischer Kulturihr Geldwesen auf die Grundlage der Goldwährung gestellt habenund alle übrigen die Goldwährung anstreben, da kann es keinZweifel seiu, dafs Deutschland , hätte es nicht bereits 1871/73 dieGoldwährung angenommen, einige Jahre später unter bedeutendgröfseren Schwierigkeiten und Opfern den Uebergang zur Gold-währung hätte bewerkstelligen müssen. Die Begründung unseresdeutscheu Währungssystems war also nicht das Werk verrannterDoktrinäre, sondern das Werk voraussehender staatsmännischerKlugheit, welche den Gang der währungspolitischen EntWickelungrichtig und rechtzeitig erkannte und Deutschland unter den geringst-möglichen Schwierigkeiten die Klippen eines radikalen Währungs-wechsels überwinden liefs.

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Die Vorgänge bei der deutschen Münz - und Währungsreformsind so klar und allgemein bekannt, dafs sich an ihnen nichttüfteln und deuteln läfs; sie gewährten der bimetallistischenLegendenbildung deshalb nur einen sehr geringen Spielraum,höchstens dafs sie von den Rimetallisten als das Ergebnifs einesmanchesterlichen und liberalen Doktrinarismus hingestellt werden,auf welchen damals selbst die konservativen Parteien, welche nochnicht genügend über die Währungsfrageaufgeklärt" waren, herein-gefallen seien. Der Holländer Rochussen allerdings hat an derdeutscheu Goldwährung einen ganz besonderen Makel entdeckt:

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dafs sie nämlich ihren Ursprung nicht der Iuitiative der Reichs-regierung, sondern derjenigen des Reichstags verdanke, dafs dieRegierung die Frage der Goldwährung in dem ersten deutschen