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der Aufrechterhaltung der Silberwährung. — Die Doppelwährungandererseits liot, wie wir an den Erfahrungen Englands uud Frank-reichs gesellen haben, keine Gewähr für die gleichzeitige Er-haltung buidor Metalle im Uralauf. Da der Preis des Silbers•••ii Mitte der sechziger Jahre wieder eine sinkende Tendenzzeigte, so inul'ste es höchst zweifelhaft erscheinen, ob das Deutsche ({eich vermöge einer Doppelwährung auf Grund der französischen Relation von 1 : 15'/ 2 einen Goldumlauf werde herstellen und er-halten können. Zudem gaben damals bereits selbst die Anhängerder Doppelwährung, wie Ernst Seyd, Prince-Smith und derHolländer Mees, zu, dal's ohne internationale Vereinbarung eineDoppelwährung für Deutschland unmöglich sei. Wie aber damals,unmittelbar nach dem Kriege, eineu Müuzvertrag mit Frankreich schliefseu, behufs definitiver Festlegung der Doppelwährung, zumalFrankreich selbst unmittelbar vor dem Kriege zur Preisgabe derDoppelwährung entschlossen schien!
So drängte sich dem neuen Reich mit förmlicher ^Nothwendig-keit der Uebergang zur Golwährung auf. Wie die geschichtlicheErfahrung gezeigt hatte, bot allein das System der Goldwährunghinreichende Garantie für die ständige Erhaltung eines Gold-umlaufes und für die Sicherung eines ausreichenden und zweck-dienlichen Silberumlaufes. Die Goldwährung ferner gab uns dieWährungsgleichheit mit dem Oelde des handelspolitisch wichtigstenStaates, mit England und seinen Kolonien, und mit dem Geldealler derjenigen Stallten, welche damals augenscheinlich den Ueber-gang zur Goldwährung beabsichtigten. Deutschland durfte fernermit dem Uebergang zur Goldwährung nicht zögern, denn je früher-es den Uebergang unternahm, desto geringer die Schwierigkeiten:wollte es abwarten, bis Frankreich oder andere Staateu ihm zu-vorkamen, so mufste es sich den nothwendigen Austausch seinesSilberbestandes gegen Gold erheblich erschweren. Aufserdem schufdie Kriegsentschädigung eine bedeutende Erleichterung, welche mannicht unbenutzt lassen durfte.
Das alles lag damals so klar auf der Hand, dafs man darübernicht viel Worte zu verlieren brauchte. Die Gesetze, welche dasneue deutsche Münzwesen begründeten, wurden deshalb in verhält-nilsmälsig kurzer Zeit erledigt und mit einer übergrofseu Majoritätim Reichstag angenommen. Es klingt geradezu komisch, wennLcute wie Rochusseu behaupten, es habe zu Beginu der siebenziger