IV.
Auf dem europäischen Kontinent, dessen gesammte wirth-schaftliche Eutwickelung bedeutend hinter derjenigen Englands zurückstand, war mau zu Beginn unseres Jahrhunderts noch weitvon einer Klärung der Währungsverhältnisse entfernt. Der Ge-brauch von Silbergeld herrschte durchaus vor.
Vom Jahre 1803 datiren die Bimetallisten, wie wir oben ge-sehen haben, eine neue Aera der währungspolitischen Eutwicke-lung. In diesem Jahre hat Frankreich sein Müuzwesen neu orga-nisirt, auf der Grundlage der Doppelwährung mit freier Prägungbeider Metalle, also auf Grundlage desselben Systems, wie eswährend des ganzen 18. Jahrhunderts in England bestanden hatte,nur dafs statt des englischen Werthverhältnisses von 1 : 15,2 dieRelation von 1 : 15,5, welche bereits vorher in Frankreich in Gel-tung war, beibehalten wurde.
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Diese Doppelwährung soll den Beweis erbracht haben, dafses in der Macht der Münzgesetzgebung stehe, das Wertliverhältnifszwischen Gold und Silber zu befestigen.
In Wirklichkeit entsprach das Wertliverhältnifs der beidenEdelmetalle auf dem Edelmetallmarkte während der ganzen Dauerdieser französischen Doppelwährung kaum jemals genau dem ge-setzlichen AVerthverhältnifs. Bis 1850 war das thatsächlich be-stehende Wertliverhältnifs stets günstiger für das Gold, als dieRelation vou l:15'/ 2 . Die Folge davon war, dal's das Gold nursehr spärlich im Umlauf vorkam, dafs die goldenen Zwanzigfrank-stücke an der Pariser Börse ein Agio von mehreren Prozeutenuotirten, dafs also thatsächlich Silberwährung bestand. Durch diekolossalen Goldfunde in Australien und Kalifornien und durch diegleichzeitige Steigerung des indischen Silberbedarfes änderten sichdie Verhältnisse. Der Silberwerth stieg gegenüber dem Goldwerth:die Folge war, dafs es vortheilhaft wurde, goldene Zwanzigfrank-stücke ausprägen zu lassen und das französische Silbergeld ein-zuschmelzen. Das Verschwinden der Silbermünzen aus dem Um-lauf wurde bald in Frankreich und den übrigen Staaten derFrankenwähruug ebenso unangehm fühlbar, wie im vorigen Jahr-hundert in England. Die Schweiz und Italien und schliefslich auchFrankreich folgten dem Weg, den England damals eingeschlagenhatte, und prägten ihre kleineren Silbermünzen nnterwerthig aus,