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Zur Geschichte der Goldwährung / von Karl Helfferich
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um (ladaroh ihr Einschmelzen unlohnend zn machen. Das Ver-sehwinden des Silbergeldes, also das Versagen der Doppelwährungwar es, wodurch im Jahre 18(i5 die Vereinbarung zwischen Frank-reich, Italien, Belgien und der Schweiz herbeigeführt worden ist,Welche unter dem Nameulateinische Münzunion u noch heutebesteht. Man kam überein, die Silbermünzeu vom Zweifrauken-stüch abwärts als Scheidemüuzen auszuprägen; das vollwerfchigeFünft'rankenstück blieb als einzige Silberkurantmünze bestehen.Alle betheiligten Staaten aniser Frankreich waren bereits damalsfür die gesetzliche Anuahme der reinen Goldwährung.

Aber auch in Frankreich kam die Strömung zu Gunsten derreinen Goldwährung von nuu an nicht mehr zur Ruhe, sie gewann viel-mehr auf dem ganzen Kontinent immer mehr an Stärke. Die Doppel-währung erschien durch die gemachten Erfahrungen gerichtet; durchdie Degradirnng der kleinereu Silbermünzeu zu Scheidegeld warsie zur Hälfte bereits aufgegeben. Die euorme Goldausbeutenamentlich der fünfziger Jahre hatte iu den europäischen Ländernder Doppelwährung und in den Vereinigten Staaten zur thatsäch-lichen Goldwährung geführt. Das Gold war das Geld des AVeit-

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handels geworden, und der Welthandel selbst hatte durch dieenorme Verbesserung des Transportwesens einen unerhörten Auf-schwung genommen. Der Wunsch, sich das gleiche Geld zu sichern,dessen sich der Welthandel immer mehr und mehr bediente, war voll-kommen natürlich. Er tauchte überall auf, in deu Ländern mitI Kippelwährung und iu deu Ländern mit Silberwähruug. Bereitszu Beginn der fünfziger Jahre traten bei uns Leute wie Soetbeer,

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Bergius, Lorenz von Stein etc., später auch Schäffle für dieAnnahme der Goldwährung ein. Hei Beginn der Verhandlungenüber den deutsch -österreichischen Münzverein im Jahre 1853 stellteOesterreich einen eingehend motivirten Antrag auf Einführung derGoldwährung, der allerdings unterlag. In den sechziger Jahrenjedoch war der AYuusch nach der definitiven Festlegung oder An-nahme der Goldwährung in Europa und Amerika so stark ge-worden, dals die von Napoleon III. im Jahre 1867 nach Paris be-rufene internationale Münzkonfereuz mit allen Stimmeu gegen dieeine der Niederlande erklärte, eine Weltmüuzeiuheit sei uur aufdem Boden der Goldwährung möglich. Dieser Beschlufs war der

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klare Ausdruck der damaligen müuzpolitischeu Auffassung und erliels deutlich erkennen, wohin die Währungspolitik der bedeu-