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Zur Geschichte der Goldwährung / von Karl Helfferich
Entstehung
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Mün/gesetz von 1871 noch uicht definitiv eutscheideu wollte, dal'saber der Reichstag dieses Gesetz so veränderte, dafs es that-Baohlich bereits im Sinne der Goldwährung entschied. Rochussenhat damit vollständig recht. Die Reichsregierung wollte zwar von

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allein Anfang an die Goldwährung, aber sie ging mit einer ge-wissen zögernden Vorsieh! und Aengst liehkeh 1 an deren Verwirk-

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lichuug, während der Reichstag, hauptsächlich durch das Verdienstlia niherger's. von vorherein energisch auf das einzig möglicheZiel losmafsohirte. Aber wie will mau daraus einen Vorwurffür die Goldwährung konstruirenV Wie die Dinge thatsäehlich

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liegen, läl'st sich aus ihnen für die Goldwährung überhaupt nichtsfolgern, softer dal's sie vom Reichstag noch mehr gewünschtwurde als von der Regierung; dem damaligen Reichstage aberkann mau seine feste Entschiedenheit, wie der Verlauf der Dingegezeigt hat, nur als grofses Verdienst anrechnen.

Solche merkwürdigen Sprünge, wie sie hier Herr Rochussenausführt, zeigen nur, dafs die Bimetallisteu nichts Ernsthaftesgegen die Entstehung der deutschen Goldwährung vorbringenkönnen. Dafür entschädigen sie sich reichlich bei der Darstellungder Art und Weise, wie Frankreich und mit ihm die anderenStaaten des lateinischen Münzbundes ihre bereits 1865 halb auf-gegebene Doppelwährung völlig preisgegeben haben.

Iis liegen darüber zwei Hauptlesarten vor, welche sich gegen-seitig in merkwürdiger, aber charakteristischer Weise widersprechen.Die erste ist, dafs die Einstellung der freien Silberprägung imlateinischen Münzbund eine uothweudige Folge der deutschenMünzreform war. Die andere ist: Frankreich habe, obwohl esseine Doppelwährung sehr wohl habe aufrecht erhalten können,die freie Silberpräguug eingestellt, um Deutschland beim Ueber-gang zur Goldwährung ein Rein zu stellen. Die erstere Lesartist nothwendig, um die Schuld au der Silbereutwerthuug aufDeutschlands Uebergang zur Goldwährung schieben zu können.Der deutsche Währuugswechsel hat Frankreich zur Preisgabe derDoppelwährung geuöthigt, und durch diese Preisgabe der Doppel-währung ist die Silberentwerthung überhaupt erst ermöglichtworden; folglich hat die deutsche Müuzreform die Silber-eutwerthuug verursacht so argumeutireu die Bimetallisteu.Wir aeeeptiren diese Beweisführung einen Moment, denn sie ent-hält ein bemerkeuswerthes Zugestäuduils. Wenn die deutsche